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Versunkene Landschaft

Steinzeitliche Fundplätze in der Wismarbucht (5 = Jäckelberg-Nord; 13 = Timmendorf-Nordmole II; 14 = Timmendorf-Nordmole I) (Grafik H. Lübke, RGK/DAI).

Wie das Meer vordrang und der Mensch weichen musste

Während der letzten Eiszeit bedeckten riesige Gletscher von Skandinavien kommend das gesamte Ostseebecken und die norddeutsche Ostseeküste bis weit ins Landesinnere. Nach dem Abschmelzen der Gletscher war der Bereich der heutigen südwestlichen Ostsee zunächst landfest. Die Gebiete Norddeutschlands, Dänemarks und Südschwedens waren noch miteinander verbunden und das flach hügelige Gelände war durchzogen von Seen und Flüssen.
Die ältesten erforschten Siedlungsspuren in der Wismarbucht lagen also am Rande von Binnengewässern und sind über 8 000 Jahre alt. Mit dem Fortschreiten des Meeresspiegelanstiegs drang jedoch Salzwasser in das südwestliche Ostseegebiet ein. Ab 5 500 v. Chr. sind auf dem Fundplatz Jäckelberg-Nord, der heute in 7 m Wassertiefe liegt, Knochen von Meeresfischen nachweisbar. Nach und nach stieg der Meeresspiegel, die Ostsee drang weiter vor und überflutete das niedrig gelegene Küstengelände. Schrittweise mussten die Wohn- und Jagdplätze in trockeneres Gelände verlegt werden. Während der Siedlungsplatz Timmendorf-Nordmole II, heute in 5 m Wassertiefe, um 5 000 v. Chr. bewohnt war, jagte man 4 200 v. Chr. bereits von dem etwa 500 m weiter landeinwärts gelegenen Platz aus, dem Fundplatz Timmendorf-Nordmole I in heutiger Wassertiefe von 3 m.

Animation des Meeresspiegelanstiegs in der Wismarbucht zwischen 6 000 und 2 000 v. Chr. (M. Meyer, IOW).
Von der schmalen Förde zur weiten Bucht

Durch das Vordringen des Meeres änderte sich das Aussehen der Wismarbucht. Die heutige Küste wird abwechselnd geprägt durch Steilkliffs und flache Buchten, Sandhaken, Strandseen und vermoorte Niederungen. Im Norden wird die Bucht durch Untiefen begrenzt und im Osten liegt die Insel Poel, die durch einen sehr flachen Sund vom Festland getrennt ist. Nur in nordwestlicher Richtung führt eine schmale Rinne mit einer Tiefe von höchstens 15 m aus der Wismarbucht heraus.
Daher muss man sich die Wismarbucht während der untersuchten steinzeitlichen Epoche, als der Meeresspiegel noch nicht heutiges Niveau erreicht hatte, als eine schmale Förde vorstellen, die flussartig ins Landesinnere führte. Die Untiefen im Norden waren noch nicht überflutet und bildeten lang gestreckte Halbinseln, und auch die Küste nördlich der Insel Poel ragte bis an die tiefere Rinne heran. Im Nordosten, am damaligen Ausgang der Förde konnte eine ehemalige Halbinsel rekonstruiert werden, der Jäckelberg, wo auch Siedlungsspuren entdeckt wurden. Landspitzen an Inseln und Halbinseln und Engstellen an Gewässern gehörten während der Ertebølle-Kultur zu bevorzugten Plätzen für Jagd- und Fischfangstationen.


[Die Animation des Meeresspiegelanstiegs steht ausserdem in optimierten Versionen für
Windows Mediaplayer (709 KB) und den Quicktime Player (678 KB) zum Download zur Verfügung.



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