Labor für Dendrochronologie
Das Labor untersucht Holzreste aus archäologischen Ausgrabungen, daneben in historischen Gebäuden verbautes Holz sowie in Mooren und Flussschottern eingelagerte Hölzer. Derartige Funde liefern wichtige Daten zu Wetter und Klima und damit zur Umweltgeschichte über weit in die Vergangenheit zurück reichende Zeitabschnitte.

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Das Labor untersucht Holzreste aus archäologischen Ausgrabungen, daneben in historischen Gebäuden verbautes Holz sowie in Mooren und Flussschottern eingelagerte Hölzer. Derartige Funde liefern wichtige Daten zu Wetter und Klima und damit zur Umweltgeschichte über weit in die Vergangenheit zurück reichende Zeitabschnitte. Daneben bieten Hölzer die Möglichkeit der jahrgenauen Datierung von archäologischen Funden und Befunden. Grundlage der Datierung sind lange Mittelwertreihen der Jahrringbreiten. Die entsprechenden Chronologien müssen für jede Baumart und jede Region separat erstellt werden.

Seit 1966 wird im Berliner Labor für Dendrochronologie am Aufbau und an der Pflege von Jahrringchronologien gearbeitet. In den Anfangsjahren standen nur wenige Vergleichswerte zur Verfügung, und die Möglichkeiten der statistischen Auswertungen waren begrenzt. Auf der Basis von mittlerweile mehr als 80.000 untersuchten Hölzern und mit Hilfe moderner Rechentechnik werden derzeit jährlich mehr als 3000 Holzproben begutachtet.

Traditioneller Forschungsschwerpunkt des Labors ist Ostdeutschland. Hier besteht seit langem eine enge Kooperation mit den archäologischen Landesämtern. In den letzten Jahren ist es gelungen, die Eichenchronologie Ostdeutschland lückenlos bis in die Zeit von 10.000 vor heute zu komplettieren. Für viele ostdeutsche Städte mit größeren Holzfunden gibt es für die letzten 1000 Jahre spezielle Reihen nur für das Stadtgebiet, ansonsten erreicht die räumliche Auflösung hier die Ebene der Landkreise. Neben den relativ häufig in den Funden vertretenen Eichen konnten auch lange Chronologien für viele weitere Holzarten wie Kiefer, Tanne, Fichte, Buche, Esche und Erle erstellt werden. Für das Gebiet der mittelalterlichen Hanse spielt die Dokumentation des Handels mit Holz insbesondere aus dem Gebiet rund um die Ostsee, einschließlich entsprechender Schiffswracks (Datierung und Herkunft), eine größere Rolle.

Auf der Basis dieser Erfahrungen wird der Aufbau von Chronologien aber auch in Gebieten mit noch fehlenden Dendrodaten oder unbefriedigendem Forschungsstand vorangetrieben. Die Schwerpunkte liegen dabei in verschiedenen Regionen im weiten Raum zwischen Europa und Zentralasien, so u. a. in Italien, Albanien, Westsibirien und West-China. Pilotprojekte betreffen aber auch das südliche Afrika und den Süden Chiles. Durch die wachsende Einbeziehung von Klima- und Umweltfragestellungen in komplexe archäologische Forschungen treten neben der vordergründigen Datierung von Hölzern immer stärker Untersuchungen zur Widerspiegelung von Umweltveränderungen und langfristiger Klimaentwicklung in Jahrringen in den Vordergrund.

Regelmäßig werden Studierende in Vorlesungen und Laborführungen in die verschiedenen Aspekte der Dendrochronologie eingewiesen. Daraus ergeben sich nicht selten Kooperationen zu Graduierungsarbeiten, deren Spektrum von der Archäologie über die Bauforschung bis hin zu Biologie, Meteorologie und Geographie reicht.

Contact

Karl-Uwe Heußner
Labor für Dendrochronologie
Im Dol 2-4, Haus 4
14195 Berlin
 
+49 (0)30 187711-349