| Dr. Reinder Neef Deutsches Archäologisches Institut, Eurasien-Abteilung Im Dol 2-6, D-14195 Berlin Tel: +49/1888/7711-348, Fax: +49/1888/7711-313 Pflanzenmaterial wird im allgemeinen umgesetzt - aus archäobotanischer Sicht würde man sagen »zerstört« - von (Boden-)Organismen wie Pilzen, Bakterien und Regenwürmern. Nur unter ganz besonderen Umständen kommen diese Organismen nicht zum Zuge und das Pflanzenmaterial bleibt erhalten, abgesehen von rein mechanisch verursachten Materialverlusten. Mögliche Erhaltungsweisen 1. Verkohlt. Dies ist die weitaus häufigste Form der Erhaltung von Pflanzenresten auf Ausgrabungen in den Mittelmeerländern. Die botanischen Großreste sind in Kontakt mit Feuer gekommen und dabei unvollständig verbrannt. Durch die Verkohlung (Anreicherung des reinen Kohlenstoffgehalts) sind die botanischen Großreste nicht mehr als Ernährungsbasis für die (Boden-)Organismen geeignet. Eine kurze Anleitung zur Aufbereitung der Proben mit verkohlten Großresten ist beigefügt. 2. Unverkohlt, trocken. Unverkohlte Pflanzenreste bleiben nur unter extrem trockenen Bedingungen erhalten, wie sie zum Beispiel in sehr ariden Gebieten oder in Grotten und Grabmalen gegeben sind. Wegen des Wassermangels ist der biologische Abbau nahezu null. Solches ausgetrocknetes Pflanzenmaterial sollte besonders sorgfältig verpackt werden, weil es meistens sehr brüchig ist. 3. Unverkohlt, naß. Unverkohlte Pflanzenreste bleiben unter Feuchtbodenbedingungen erhalten. Die Sättigung der Bodensedimente mit Wasser führt zu Sauerstoffmangel, der die biologischen Abbauaktivitäten stark reduziert. Solche unter mediterranen Bedingungen selten gegebenen Erhaltungszustände kann es im Bereich von Küstengewässern geben, aber auch zum Beispiel in vermoorten Gebieten oder in Brunnen die sich noch immer im Grundwasserbereich befinden. 1 bis 10 Liter Proben sollten ungeschlämmt, feucht in Plastiktüten verpackt zum Labor gebracht werden (die Proben müssen feucht bleiben!). 4. Pflanzenteile im Kontaktbereich von Metallobjekten (Eisen oder Kupfer u.a.), wie die Schäftung von Lanzen, können durch die biozide Wirkung der Metallionen erhalten bleiben. Analyse des Materials am besten vor der Restaurierung des Objektes. Sonst vorher botanisches Material vorsichtig von der Metalloberfläche entfernen. |