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Bauherr: Theodor Wiegand
Architekt: Peter Behrens
Bauzeit: 1911/12
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Theodor Wiegand, der erfolgreiche Ausgräber von Priene,
Milet, Didyma und Samos, lebte seit 1899 als Vertreter der
Berliner Museen in Konstantinopel, heiratete 1900 Marie von
Siemens, eine Tochter von Georg von Siemens, die er bei einem
Besuch in der Ausgrabung Priene kennengelernt hatte. 1911
zum Direktor der Antikenabteilung der Berliner Museen ernannt,
ging Wiegand daran, in Berlin einen Hausstand zu gründen.
Als moderner Gelehrter, der mit der Erforschung ganzer Städte
und Landschaften die Archäologie in ungewöhnlichen
Dimensionen betrieb, strebte Wiegand ein Privathaus von gleichfalls
höchsten Ansprüchen und zukunftweisender Architektur
an und beauftragte den damals schon als großes Talent
anerkannten Baukünstler Peter Behrens.
Dieser hatte seine Karriere als Maler begonnen, wurde 1899
in den Künstlerkreis der Darmstädter Mathildenhöhe
berufen und durfte sich dort ein eigenes Haus selbst entwerfen
und bauen. Mit diesem ersten Architekturentwurf bekannt geworden,
wurde er nach einer Station als Leiter der Kunstgewerbeschule
in Düsseldorf 1907 von der AEG als Designer und Architekt
nach Berlin gerufen. Er gestaltete Produkte dieses Großbetriebes
mit solcher Meisterschaft, daß viele von diesen heute
den Weg in Museen gefunden haben. Seinen Ruf als ein Neuerer
der Architektur begründete er 1909 mit der Turbinenhalle
der AEG in Berlin-Moabit.
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Auf einem großen Grundstück im neu erschlossenen
Villenviertel Dahlem (Peter-Lenné-Str. 28-30) entwarf
Behrens für Wiegand kein Landhaus, sondern eine repräsentative
Villa in einem klassizistischen Stil, den der Beruf des Hausherrn
nahelegte und der für Behrens in diesen Jahren durchaus
bestimmend war. Alle seine damaligen Entwürfe sind durch
klare, horizontale Gliederung, herbe antike Gesimse und kühles
Material ausgezeichnet. Bei der Villa Wiegand hat der Hausherr,
inspiriert von der ausgegrabenen klassischen Architektur,
auch im Detail formal bestimmend gewirkt: So wird die Front
des Hauses zur Peter-Lenné-Straße von einem Peristyl
eingenommen, das dem hellenistischen Haus 33 in Priene gleicht.
Behrens hat die Funktion dieses intimen Innenhofes gleichsam
umgewendet zum repräsentativen Element der Fassade, bei
der er auf diese Weise auf einen banalen Giebel verzichten
konnte. Behrens' moderner Klassizismus äußert sich
zudem in einer Aufgeschlossenheit gegenüber allen technischen
Neuerungen. So sind in den Kassetten des Peristyl Glasbausteine
eingesetzt (die ersten an Privathäusern überhaupt),
um eine Aufhellung der schweren Architektur zu erreichen.
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Zu den großen Vorbildern von Peter Behrens zählte
Karl Friedrich Schinkel. Sein Einfluß wird in der Gestaltung
der Grundrisse deutlich. Das zeigt sich auch beim Wiegand-Haus
in der Anordnung von vier Eckräumen um einen Mittelraum
und durch die Anfügung asymmetrischer Elemente wie eines
von schweren Pfeilern getragenen Laubenganges. Darüber
hinaus begegnen wir dem Einfluß von Schinkel bei der
Dachlösung und allenthalben bei der Innendekoration.
Beide Künstler erhoben den Anspruch, Gesamtkunstwerke
zu schaffen und zur hüllenden Architektur auch die Einrichtung
zu entwerfen, einschließlich der Tapeten und sogar der
Teppiche und Gardinen.
Der Grundriß des Wiegand-Hauses ist bestimmt von dem
repräsentativen Erdgeschoß mit sechs Prunkräumen,
ausgestattet mit kostbaren Möbeln in wechselndem Material.
Es ist ein seltener Glücksfall, daß in den Repräsentationsräumen
des Hauses noch heute die originalen Möbel weitgehend
erhalten sind.
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Das Wiegand-Haus - Sitz der Zentrale des DAI
Der Sitz des Deutschen Archäologischen Instituts in
der Maienstraße war im Kriege stark beschädigt
worden, und es war ein glücklicher Zufall, daß
1957 das Haus des früheren Präsidenten des Deutschen
Archäologischen Instituts erworben werden konnte. Das
Wiegand-Haus mußte für die neue Nutzung um- und
ausgebaut werden, war bald zu eng, und schon nach einer Dekade
war die Planung eines Neubaues notwendig. Ab 1973 entstand
nach Plänen der Bundesbaudirektion dem Wiegand-Haus gegenüber
ein Neubau, der heute nach dem Altpräsidenten Kurt-Bittel-Haus
genannt wird. Hier sind die inzwischen größte archäologische
Fachbibliothek Berlins, die Verwaltung der In- und Auslandsabteilungen
und die Redaktion untergebracht.
Zur 150-Jahr-Feier des DAI im Jahre 1979 stellte die Bundesregierung
Mittel für eine genaue denkmalpflegerische Wiederherstellung
des Wiegand-Hauses zur Verfügung. Das heute unter Denkmalschutz
stehende Haus ist der Dienstsitz des Präsidenten des
DAI, und hier tagt auch die Zentraldirektion. Ferner befindet
sich im Wiegand-Haus das 1973 gegründete Architekturreferat.
Mitarbeiter der Abteilungen in Bagdad und Teheran, durch
die dortige Entwicklung in Bedrängnis geraten, waren
ab 1980 notdürftig im Wiegand-Haus untergebracht. 1983
konnte die dem Wiegand-Haus benachbarte Villa, die 1911 für
den Schwager von Theodor Wiegand von der Architektengemeinschaft
Cremer und Wolffenstein errichtet worden war, mit Unterstützung
der Stiftung Volkswagenwerk erworben und in den folgenden
Jahren als Orient-Haus ausgebaut werden.
Zur Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts
gehört das wenige Gehminuten entfernte Lepsius-Haus (Im
Dol 2-6), das 1910/11 von dem Architekten Hans Bernulli für
den Chemiker Bernhard Lepsius, einen Sohn des früheren
Institutspräsidenten Richard Lepsius, gebaut worden war.
Es dient heute als Gästehaus ausländischen Wissenschaftlern
und vorwiegend Stipendiaten des DAI.
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Literatur
Klaus Rheidt - Barbara A. Lutz (Hrsg.) Peter Behrens, Theodor Wiegand und die Villa in Dahlem (2004), (erschienen anlässlich der Feier zum 175jährigen Bestehen des DAI im November 2004)
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Peter Behrens, Theodor Wie- gand und die Villa in Dahlem |
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W.
Hoepfner - F. Neumeyer, Das Haus Wiegand von Peter Behrens
in Berlin-Dahlem, Das Deutsche Archäologische Institut,
Geschichte und Dokumente, Band 6 (1979).
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