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Assuan - Fatimidenfriedhof

Mittelalterliche Islamische Nekropole

Konum

Konum

Germany
24° 4' 33.7908" N, 32° 53' 31.02" E

Abb. 1: Lage der Nekropole in dem Stadtgebiet des modernen Assuans. © DAIDie Südnekropole liegt im Stadtgebiet von Assuan unmittelbar westlich des „Unvollendeten Obelisken“ und reicht im Westen bis in den Park des Nubischen Museums.

Die Nekropole erstreckt sich auf der Ostseite des historischen Stadtkerns von Assuan. Ihre Längsausdehnung von Norden nach Süden beträgt 2000 m und ihre maximale Breite von Osten nach Westen 500 m. Gemäß den Lageplänen von Ugo Monneret de Villard aus den 1920er Jahren bestand die Nekropole ursprünglich aus drei Zonen: einer nördlichen, einer mittleren und einer südlichen. Das Untersuchungsgebiet beschränkt sich vorläufig auf die südliche Zone (Südnekropole). Diese gliedert sich in drei Teile. Der höher gelegene Nordteil ist durch eine moderne Straße von dem restlichen Gelände abgetrennt. Der mittlere und der südliche Teil liegen auf einem zusammenhängenden Gelände, sind allerdings durch eine kleine Senke und Sumpfgebiete voneinander getrennt. Der Nordteil umfasst neben vier Grabbauten zahlreiche Kastengräber. Für den mittleren Teil charakteristisch sind vereinzelte Mausoleen, um die sich eine Vielzahl einfacher Gräber gruppiert. Der Südteil besteht aus mehr als zwanzig großen und relativ gut erhaltenen Mausoleen und Hofgräbern, wobei einige davon zusammenhängende Komplexe bilden.

Background

Abb. 2: Historisches Foto der Nekropole. © DAIAuf dem von der Südnekropole von Assuan eingenommenen Gelände sind zahlreiche Zeugnisse aus der pharaonischen und aus der antiken Zeit erhalten, in der es sowohl als Steinbruch, als auch als Kult- und Begräbnisstätte diente.
Die ursprüngliche, Ende des 7. Jahrhunderts gegründete Nekropole wurde im 20. Jahrhundert durch moderne Bebauung und Infrastruktur gravierend gestört.
In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dokumentierten U. Monneret de Villard und K. A. C. Creswell die Gräber und Mausoleen der Nekropole.

Von der ursprünglich ca. 1 km² umfassenden Nekropole sind im 20. Jahrhundert, bis auf einige Mausoleen an deren Nordende, zwei Drittel dem Neubau von Straßen und Häusern des modernen Assuan zum Opfer gefallen. Nur die Südnekropole weist noch eine historische Belegung auf, die allerdings durch den Bau einer modernen Straße und in geringerem Maße durch eine Vielzahl rezenter Gräber gestört wird.
Das Gelände der Südnekropole, das weitgehend aus Rosengranit besteht, weist eine größere Anzahl von Steinbrüchen aus pharaonischer Zeit und der Antike auf. Zusätzlich befinden sich dort auch pharaonische Felsbilder und Überreste des „heiligen Weges“ zu den Heiligtümern in Philae.
Aufgrund von Grabstelen ist bekannt, dass die ersten Bestattungen kurz nach der arabischen Eroberung Assuans Ende des 7. Jahrhunderts stattfanden und die letzten im 12. Jahrhundert mit dem Niedergang der Fatimidenherrscher.
Der Friedhof wurde immer wieder von Reiseschriftstellern erwähnt, Edward Lane verdanken wir sogar eine phantasievolle Skizze der Südnekropole aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die erste systematische Untersuchung geht auf den italienischen Forscher Ugo Monneret de Villard zurück, der in den 1920er Jahren Grabkomplexe und einzelne Mausoleen detailliert dokumentierte und publizierte. Etwa zehn Jahre später fotografierte K. A. C. Creswell die wichtigsten Mausoleen und deutete deren bauliche Entwicklung. In den 1960er Jahren führte Abd ar-Rahman Abd at-Tawab Notgrabungen in der nördlichen und möglicherweise auch in der südlichen Nekropole durch.

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Abb. 3: Nordteil des Friedhofs. Im Vordegrund die pharaonische Prozessionstrasse nach Philae. © DAIAls übergreifendes Ziel des Projektes gilt es durch eine interdisziplinare Erforschung des Geländes der Südnekropole und ihrer gebauten Monumente ein möglichst vollständiges Bild der historischen Nutzungskontinuität in ihrer gesamten Vielfalt darzustellen.

Neben der umfassenden Dokumentation und der diachronen Erforschung des Geländes der Südnekropole und ihrer gebauten Monumente, insbesondere der über 200 bisher undokumentierten einfachen Gräber, wird eine Darstellung der islamischen Sepulkralkultur und der baulichen Entwicklung der Grabanlagen (einfache Gräber und Mausoleen) angestrebt. Durch archäologische Sondagen, Analyse der Keramik, durch die ethnologische Dokumentation von Begräbnisritualen, Fruchtbarkeitsriten und Heiligenverehrung, das Sichten und Auswerten der diversen historischen, insbesondere arabischen Quellen sowie das Studium der Grabinschriften soll die kulturhistorische Bedeutung der Nekropole erforscht und festgehalten werden.
Die Analyse der Nutzungsentwicklung des Geländes als Steinbruch in der pharaonischen und in der antiken Epoche verläuft parallel mit den Untersuchungen zu der Siedlungs- und Wirtschaftsgeschichte der historischen Stadt und ihrer Umgebung durch das Schweizerische Institut für Ägyptische Bauforschung und Altertumskunde in Zusammenarbeit mit dem Supreme Council of Antiquities.
Die Erforschung der kultischen Nutzung in pharaonischer Zeit und der Bedeutung des Geländes als Begräbnisstätte in der Antike soll die Geschichte der Nekropole vervollständigen.
Beispielhafte Konservierung und Restaurierung einzelner Mausoleen sowie die Erarbeitung eines Site-Management Konzeptes runden das Spektrum der Arbeiten ab.

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Abb. 4: In den Jahren 2008 und 2009 restauriertes Mausoleum. © DAIDie Methoden umfassen die Anwendung eines elektronischen Theodoliten sowie Handaufmaß zur Geländevermessung und Bauaufnahme der Grabanlagen. Die Datierung wird u. a. durch Keramikanalysen durchgeführt.

Die Untersuchungsmethoden werden jeweils abhängig von den individuellen Verhältnissen im Gelände, bzw. der Objektform und -zustand gewählt. Grundsätzlich umfassen sie die Terrainvermessung mittels Tachymeter, das Festlegen der Höhenkurven durch Messungen und Abschreiten. Die ziegel- bzw. steingerechte Aufnahme der Bauwerke erfolgt mithilfe der Totalstation, einer kombinierten Methode aus Tachymeter- und Handaufmaß, bzw. als reines Handaufmaß. Fassaden einiger Mausoleen konnten zudem unter Anwendung der Photogrammetrie dargestellt werden. Zusätzlich fand an den Bauten eine Schadensanalyse mittels bauforscherischer und statischer Untersuchungen statt. Die Erfassung der Informationen zu den einzelnen Mausoleen erfolgte in Form einer umfangreichen Datenbank. Durch die klassischen ethnographischen Untersuchungen (Beobachtungen, Interviews) sowie die Auswertung der historischen Quellen und Grabinschriften wurde umfangreiches, die islamische Bestattungskultur dokumentierendes Material gesammelt.
Bei der beispielhaften Restaurierung eines der Mausoleen wurde bewusst auf die lokale Bautradition zurückgegriffen (z. B. bei der Eigenherstellung der Lehmziegel und Gewölbebau). Zur Lösung komplexer statischer Probleme wurde ein Bauingenieur herangezogen.

Current research

Abb. 5: Topografische Karte der Südnekropole. © DAIAbb. 6: Überblick über den südlichen Teil der Südnekropole. © DAISeit 2006 finden jährlich zwei Forschungskampagnen statt. Diese ermöglichten bisher die topographische Erfassung der Südnekropole abzuschließen sowie eine beinahe flächendeckende Dokumentation von über 200 Grabbauten durchzuführen. Zur Zeit konzentrieren sich die Arbeiten auf die Auswertung des während der Feldforschungen gesammelten Materials, sowie auf die Projektierung von Erhaltungsmaßnahmen für das Friedhofsareal und seine Grabanlagen.

Es handelt sich dabei um überwiegend aus Lehmziegel errichtete Grabkomplexe, Einzelmausoleen, Hof- oder Familiengräber, einfache Bestattungen und sog. Kastengräber. Insgesamt wurden vier Grabkomplexe, 36 Einzelmausoleen, über 150 sog. Kastengräber, 25 Hof- oder Familiengräber sowie über 160 einfache Bestattungen festgehalten (Fotografie, Zeichnung und Beschreibung).
Daneben konnte die topographische Erfassung der Südnekropole, der Grabmäler als auch der Steinbrüche und Geländeformationen abgeschlossen werden. Ihr Resultat ist eine topographische Karte (Maßstab 1:1000, bzw. 1:500) mit Höhenlinien und exakter Lage der natürlichen Objekte, der Steinbrüche, der Felsinschriften und der unterschiedlichen Grabtypen.
Nach und nach lässt sich ein komplexes Bild einer in ihrer räumlichen Struktur verdichteten und differenzierten "Totenstadt" rekonstruieren.
Als Pilotprojekt erfolgte die Restaurierung eines Mausoleums. Ein Site-Management Konzept wurde ebenfalls erarbeitet. Es sieht vor, das Areal in mehrere Nutzungszonen zu unterteilen: für moderne Bestattungen, touristisch genutzte Zonen mit speziellem Wegenetz, gestaltete Grünzonen und Besuchereinrichtungen (Kasse, Cafeteria, etc.), als auch die Einbindung des Friedhofs in den Besucherparcour zwischen dem "Unvollendeten Obelisken" und dem Nubischen Museum.
Abb. 7: Site-Management Konzept. © DAIAbb. 8: Die neuesten Funde von Stelen mit Grabinschriften.Vom 13. bis 15. Februar 2010 veranstaltete das DAI in Assuan eine internationale Tagung zu den Stelen des Friedhofs, die sich seit Ende des 19. Jahrhunderts nicht mehr in situ befinden. Aus Angst vor Diebstahl wurde nämlich die Mehrzahl der Stelen in den 1890er Jahren in Depots in Assuan und in Kairo in Sicherheit gebracht. Eine wesentlich geringere Zahl befindet sich in europäischen Museen.
Ziel des Workshop war es, Wissenschaftler zu versammeln, vor allem Historiker, Epigrafiker und Informatiker, um den Verbleib der Stelen zu klären. Gleichzeitig wurde anhand bereits publizierten Beispiele über den Inhalt der Stelentexte und dessen Forschungspotential sowie über die Modalitäten einer möglichst vollständigen elektronischen Erfassung der wahrscheinlich über 4000 überlieferten Stelen beraten.
Aktuell steht die Aufarbeitung der Feldinformationen, Digitalisieren von Plänen etc. im Vordergrund. Außerdem werden weitere Sicherungs- und Restaurierungsarbeiten projektiert.
Auf Grundlage der Untersuchungen ist die Geschichte Assuans im Mittelalter neu zu bewerten. Daneben stehen grundlegende ethnographische Erkenntnisse zu Grabritualen, Hochzeits- und Fruchtbarkeitsriten, die auf dem Friedhof regelmäßig stattfinden. Abb. 8: Opfer der Braut bei Imam Shafii. © DAI

İşbirliği

Supreme Council of Antiquities
Institut für Bau- und Stadtbaugeschichte der TU Berlin

External Contact

Dr. sc. tech. Philipp Speiser
Droysenstrasse 1
D-10629 Berlin
Telefon: +49 30 31 99 77 55
Telefax: +49 30 31 80 10 02
philipp.speiser@gmx.de

Kaynakça

U. Monneret de Villard, La Necropoli Musulmana di Aswan, Kairo 1930.
E. W. Lane, Description of Egypt, Kairo 2000.
K. A. C. Creswell, Muslim Architecture of Egypt, New York 1978².
N. el-Shohoumi, Aswan Islamische Nekropole (in Vorbereitung)
P. Speiser et. al., Umayyad, Tulunid and Fatimid Tombs in Aswan (im Druck)

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