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Für die Ewigkeit geschaffen. Das Sarg-Ensemble des Imeni und der Geheset

Publisher

Philipp von Zabern

Tác giả

Daniel Polz (Hrsg.)

Nội dung

Während der Herbstkampagne des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo im oberägyptischen Theben im Herbst 2004 konnten in einer Schachtanlage der Nekropole von Dra' Abu el-Naga in Theben-West (siehe die Hauptseite des Projekts) zwei reich dekorierte und nahezu unversehrte Holzsärge entdeckt werden. Eine kleine Felskammer am Fuße eines etwa 10 m tiefen Grabschachtes enthielt einen großen, rechteckigen Holzsarg, welcher einen kleineren Innensarg barg. Das Sarg-Ensemble stand noch exakt in der Position, in die es bei der erfolgten Bestattung vor fast 3800 Jahren verbracht wurde (Abb. 1). Die Grabkammer ist nur unwesentlich größer als der äußere Sarg, weshalb ein Versuch von Grabräubern, die Särge aus der Kammer zu entfernen, scheiterte. Die Diebe schlugen deshalb ein Loch in die Fußplatte des äußeren Sarges, entfernten die Fußplatte des Inneren und bargen durch diese Öffnungen aus dem Sarginneren die Mumie der hier bestatteten Person und vermutlich zahlreiche weitere Gegenstände ihrer einstigen Grabausstattung.

Der etwa 250 cm lange, 101 cm breite und 105 cm hohe, kastenförmige äußere Sarg ist außen mit einer horizontal umlaufenden Hieroglyphenzeile versehen. In den Inschriften dieser sog. Opferformeln erscheinen mehrfach Titel und Name des Sargbesitzers, der demnach ein hoher Würdenträger, ein Richter (Sab) mit dem Namen Imeni war. Das Besondere an diesem Sarg ist die hervorragend erhaltene Dekoration seiner gesamten Innenwände, die vollständig mit religiösen Texten (den sog. Sargtexten oder 'Coffin Texts') und polychromen Darstellungen einer idealen Grabausstattung (dem sog. 'frise d'objets') verziert sind. Der im Inneren des Sarges befindliche, ebenfalls kastenförmige Holzsarg ist weniger exquisit gearbeitet und nur an seinen Außenseiten mit Inschriftenbändern dekoriert. Diese Inschriften nennen nun bemerkenswerterweise nicht, wie zu erwarten wäre, ebenfalls Name und Titel des Imeni, sondern die "seiner geliebten Frau, der Hausherrin Geheset".

Eine erste Deutung dieses ungewöhnlichen Befundes liefern zwei senkrechte Inschriftzeilen an Kopf- und Fußseite des Imeni-Sarges, die sicher erheblich später als die übrige Dekoration des Sarges angebracht wurden: Hier (und nur hier in den Inschriften des Imeni-Sarges) wird wieder Geheset ("Gazelle") erwähnt. Die Inschriften weisen explizit darauf hin, dass Imeni diesen ursprünglich für ihn angefertigten Sarg seiner "geliebten Frau Geheset" übergeben habe (Abb. 2). Diese Inschrift und weitere Beobachtungen während der komplizierten und aufwendigen Bergung der beiden Särge erlauben nun verschiedene Rekonstruktionen der ungewöhnlichen Vorgänge, die zu der Bestattung führten: Der große Sarg wurde zu Lebzeiten des Richters Imeni für seine Bestattung angefertigt, aber sicher nie dafür benutzt. Stattdessen wird der Sarg entweder von Imeni selbst oder von anderen für Geheset 'umgewidmet', wobei der genaue Zeitpunkt dieses Besitzerwechsels unklar bleibt. Offensichtlich wird nun Geheset in den beiden Särgen bestattet. Die dafür vorgesehene Grabkammer, in der die Särge entdeckt wurden, erwies sich aber während des Einbringens des Sargensembles als zu klein für den großen Imeni-Sarg (Abb. 3), weshalb an ihm noch während der Bestattung Veränderungen vorgenommen werden mussten. Wie die anthropologischen Untersuchungen an den menschlichen Überresten der einst im inneren Sarg bestatteten Person ergaben, handelt es sich hier mit großer Wahrscheinlichkeit um Geheset, eine gut situierte Dame wohl afrikanischer Herkunft, deren Skelett eine Reihe von pathologisch höchst bemerkenswerten Befunden aufweist.

Die Besonderheit der Entdeckung der Särge des Imeni und der Geheset besteht nicht nur in deren Erhaltungszustand und Dekorationsprogramm, sondern ergibt sich auch auf einer anderen Ebene: Die Bestattung der Geheset datiert nach den Untersuchungen der hierzu gehörenden Keramik in die erste Hälfte der 13. Dynastie (ca. 1795-1720 v. Chr.), die in Oberägypten nur sehr spärlich belegt ist. Sarg-Ensembles dieser Art sind, zumal in situ aufgefunden, bis auf eine Ausnahme aus der Thebanischen Nekropole bislang nicht bekannt.

Die ersten Ergebnisse der seit dem Frühjahr 2005 durchgeführten Untersuchungen an den Särgen und dem aus der Grabanlage stammenden Fundmaterial sind jetzt in einer aufwendig gestalteten und reich bebilderten Veröffentlichung zugänglich (siehe unten). Diesem Band ist auch eine DVD beigegeben, die eine virtuelle, animierte 3D-Rekonstruktion des ober- und unterirdischen Grabungsgeländes in Dra' Abu el-Naga sowie einen Dokumentarfilm über die Bergung der Särge enthält.

ISBN/ISSN

987-3-8053-3794-6

Executive Department

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