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13.06.2018 Ulrike Wulf-Rheidt (1963-2018)

In tiefer Trauer müssen wir den Tod von Prof. Dr. Ulrike Wulf-Rheidt bekanntgeben. Sie verstarb am 13. Juni 2018 an den Folgen eines tragischen Unfalls auf der Akropolis in Athen. Ihr plötzlicher Tod lässt uns tief erschüttert zurück.
Ulrike Wulf-Rheidt wurde am 21.12.1963 in Freiburg im Breisgau geboren. Von 1982 bis 1990 studierte sie Architektur an der Technischen Universität in Karlsruhe und wandte sich früh der antiken Architektur und Archäologie zu. So folgte sie 1991 ihrem Mann, Klaus Rheidt, an das Deutsche Archäologische Institut nach Istanbul und arbeitete in Projekten in Aizanoi, Akören und Pergamon. Sie war aber auch Mitglied in der wissenschaftlichen Kommission zur Restaurierung der Hagia Sophia und zeigte so bereits früh Interesse an Fragen der Denkmalpflege, die sie ihr ganzes weiteres Leben begleiteten. Der Schwerpunkt ihrer frühen wissenschaftlichen Arbeit lag jedoch in Pergamon. 1997 wurde sie am Institut für Baugeschichte der Universität Karlsruhe mit einer Arbeit über die hellenistischen und römischen Wohnhäuser in Pergamon promoviert. Anschließend wandte sie sich bald ihrem zweiten großen Forschungsinteresse zu, den antiken Palastanlagen.

An der Universität Cottbus, an der Ulrike Wulf-Rheidt seit 1995 zunächst Assistentin und seit 2001 Oberassistentin war, übernahm sie die bauforscherische Untersuchung der Domus Severiana auf dem Palatin in Rom und weitete sie auf den domitianischen Gesamtpalast aus. Angesichts der schieren Größe der Anlage war sie maßgeblich an der Entwicklung neuer und innovativer Aufnahmetechniken beteiligt. Auch als wissenschaftliche Direktorin mit Sitz im Wiegandhaus – eine Position, in der sie sich bleibende Verdienste um die Profilierung der Zentrale erworben hat –  und als Leiterin des Architekturreferats des DAI in Berlin blieb sie den Forschungen zu Palastanlagen verbunden, ging aber schnell chronologisch und topographisch über den Palatin und Rom hinaus. Ihr Forschungsspektrum reichte zuletzt von den tetrarchischen Palastanlagen in Gamzigrad in Serbien bis hin zu den mittelalterlichen Palästen des Königreichs Mustang in Nepal. Sie initiierte ein Projekt zum „Crystal Palace" in der Verbotenen Stadt in Peking, das sie chronologisch an den Beginn des 20. Jahrhunderts führte, und stärkte jüngst mit dem Beginn eines Projekts zur Erforschung der palastartigen Villa dei Sette Bassi wieder ihren römischen Schwerpunkt. In allen ihren Unternehmungen verband sie Forschung, Erschließung und Erhalt der Denkmäler, so auch in ihrem Projekt zur Porta Nigra in Trier oder in ihrem prägenden Mitwirken im Baudenkmalausschuss des DAI. 

Seit ihrer Zeit in Cottbus war ihr die universitäre Lehre ein zentrales Anliegen. Die Freie Universität Berlin ernannte sie 2009 zur Honorarprofessorin am Institut für Klassische Archäologie. Sie lehrte viele Archäologiestudierende die Grundlagen der Bauforschung, prägte aber noch mehr Dissertationsprojekte und Abschlussarbeiten. Sie förderte den wissenschaftlichen Nachwuchs und forderte ihn zugleich in wissenschaftlichen Diskussionen. Im Rahmen der Koldewey-Gesellschaft, deren Vorstand sie zuletzt als Schatzmeisterin angehörte, aber auch mit Tagungs-Reihen wie „Vom Handaufmaß zur High-Tech" hat sie ihre Fachdisziplin nicht nur geprägt, sondern auch grundlegend weiterentwickelt.

Mit den „Diskussionen zur Archäologischen Bauforschung", die das Architekturreferat alle drei Jahre veranstaltete und publizierte, trug sie über die Grenzen des Faches hinaus wesentlich zur Profilierung der Bauforschung bei. Leider konnte sie nicht mehr das Erscheinen eines Buches erleben, das sie initiiert hat, um die Bauforschung „Damals & Heute" in ihrem ganzen Facettenreichtum vorzustellen. Ulrike Wulf-Rheidts Wirken und ihre Bedeutung für uns als Kollegin, die so vielen freundschaftlich verbunden war, lässt sich jedoch nicht adäquat in Worte fassen. 

Wir betrauern den Verlust einer international hoch geschätzten und herausragenden Wissenschaftlerin und Kollegin, die wir als gute Freundin und ganz besonderen Menschen schmerzlich vermissen. Unsere ganze Anteilnahme gilt ihrem Mann und ihrer Familie.

Das Deutsche Archäologische Institut wird ihr ein ehrendes Andenken bewahren.

Für Kondolenzschreiben hat das DAI folgende Email-Adresse eingerichtet:
kondolenz.ulrike.wulf-rheidt@dainst.de

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