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angle-left 06.10.2020 Zeit, Ball zu spielen: 3000 Jahre alte Bälle in Turfan gefunden

Kleine, gestopfte Lederbälle mit Schlagmalen sind die bisher ältesten bekannten Bälle in Eurasien

Ballspiele gehören heute zu den beliebtesten Freizeitbeschäftigungen, Sportarten, Massenunterhaltungen und Geschäftsfeldern der Welt. Aber wer erfand überhaupt Bälle, wo und wann? Die gegenwärtig ältesten Bälle wurden aus Leinen vor ca. 4500 Jahren  in Ägypten gemacht. Mittelamerikaner spielten Bälle seit mindestens 3700 Jahren, wie wir aus Darstellungen und monumental aus Stein gebauten Stadien wissen. Ihre ältesten Bälle waren aus Gummi. Europa und Asien schienen jedoch erst viel später zu folgen: Griechenland vor ca. 2500 Jahren und China ca. 300 Jahre später.

Dieses Bild wurde durch die Entdeckung von drei Lederbällen in Reiter-Gräbern des alten Friedhofs Yanghai in der Nähe der Stadt Turfan im Nordwesten Chinas aktualisiert. Im Journal of Archaeological Science: Reports veröffentlichte Forschungsergebnisse enthüllen ein Alter zwischen 3200 und 2900 Jahren für diese Bälle, die damit etwa fünf Jahrhunderte älter sind als die anderen derzeit bekannten antiken Bälle und Darstellungen von Ballspielen in Eurasien. Die zugehörigen archäologischen Informationen reichen jedoch nicht aus, um die Frage zu beantworten, wie diese Bälle gespielt wurden. Die frühesten Bilder aus Griechenland (ca. 2500 J. v. H.) zeigen laufende und die aus China (ca. 2200 J. v. H.) reitende Spieler mit Stöcken. Vergleichbare gebogene Stöcke wurden zwar auch in Yanghai gefunden, jedoch nicht in direkter Verbindung mit den Bällen, außerdem sind sie deutlich jünger. Daher erweitern die Yanghai-Lederbälle zweifelsfrei weder die Geschichte von Hockey noch von Polo, auch wenn zwei der Bälle in Gräbern von Reitern gefunden wurden. Mit einem der Reiter haben sich auch die Überreste der frühesten bekannten Hosen und eines Kompositbogens erhalten – Anzeichen der neuen Ära des Reitens, des Kampfes zu Pferde und grundlegender gesellschaftlicher Veränderungen, die mit zunehmenden Klimaveränderungen und Mobilität im östlichen Zentralasien einhergingen. Die aktuelle Studie zeigt, dass Bälle und Ballspiele als eine Form der körperlichen Ertüchtigung und des militärischen Trainings von Anfang an dazugehörten.

Die Studie entstand in einer Kooperation des Deutschen Archäologischen Instituts, der Universität Zürich, der Freien Universität Berlin, des Museums der Autonomen Region der Uiguren Xinjiang, der Academia Turfanica und der Renmin-Universität Peking.

 

Artikel:
Patrick Wertmann, Xinyong Chen, Xiao Li, Pavel E. Tarasov, Mayke Wagner, New evidence for ball games in Eurasia from ca. 3000-year-old Yanghai tombs in the Turfan depression of Northwest China, Journal of Archaeological Science: Reports, Available online 1 October 2020. https://doi.org/10.1016/j.jasrep.2020.102576

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