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Porträt - Der Greif

Der Greif

Der Greif, ein Mischwesen mit dem Körper eines Löwen und dem Kopf eines Greifvogels, das große Schwingen auf dem Rücken trägt, verbindet die gesamte antike Welt. Er wird zumeist als Wesen des Himmels angesehen, das eng mit der Sonne verbunden ist. In einem Gedicht des griechischen Dichters Aristeas (7. Jh. v. Chr.) bewacht der Greif das Gold der Hyperboreer gegen die Arimaspen, sagenhafte Völker, die weit im Norden der bekannten Welt lebten. Die Hyperboreer führten ein friedliches, ganz der Verehrung Apolls gewidmetes Leben. Zu seinen Ehren hatten sie große Mengen Gold gesammelt.

Als sich zu Beginn des 19. Jahrhunderts die Archäologie als Wissenschaft zu etablieren begann, bildeten sich zahlreiche gelehrte Zirkel, die sich angesichts der rasch wachsenden Anzahl von Funden und der Zunahme von Erkenntnissen der Erforschung der Antike verschrieben hatten. In Rom schloss sich um 1820 eine Gruppe deutscher Gelehrter, Künstler und Diplomaten zu einer Gruppe zusammen, die sich in Anlehnung an den Mythos des Volkes aus dem Norden „Römische Hyperboreer" nannte. Als moderne Diener des Apoll fühlten sie sich einem aufklärerischen Ideal verpflichtet und suchten die Verbindung zwischen Norden und Süden.

Eines ihrer Mitglieder, der Archäologe und Maler Otto Magnus von Stackelberg, entwarf ein Emblem für die Gruppe, das den hyperboreischen Greifen im Kampf gegen die Arimaspen zeigt. 1829 folgte dem noch losen Zusammenschluss der Hyperboreer auf Initiative des Archäologen Eduard Gerhard, ebenfalls Mitglied der Gruppe, die Gründung des römischen „Instituto di corrispondenza archeologica", institutioneller Vorläufer des heutigen Deutschen Archäologischen Instituts. Der hyperboreische Greif blieb ein Signet auch des „Instituto", nicht zuletzt auf Bestreben Gerhards, dessen Familie das Mischwesen im Wappen trug und der auch den ersten Entwurf für eine Münze mit diesem Motiv lieferte, die aber nie geprägt wurde.

Vorbild für 'Siegel' und Logo des heutigen DAI wird schließlich eine Statuette, die Eduard Gerhard 1865 zu seinem 50. Doktorjubiläum als Geschenk erhielt. Im Unterschied zum Greifen der „Römischen Hyperboreer" zeigt sich der Greif nicht mehr im Kampf gegen die Arimaspen, sondern lässt eine Tatze auf einer Amphore ruhen.

1892 – das Institut ist inzwischen eine preußische Staatsanstalt – geht die kleine Statuette durch Schenkung in den Besitz des römischen Gründungsinstituts des DAI über, wo sie heute noch an ihrem Platz steht. Als das Deutsche Archäologische Institut 1929 sein hundertjähriges Bestehen feierte, kam der Greif als Figur auf dem Revers der zu diesem Anlass gestifteten Winckelmann-Medaille zu neuen Ehren. Vor allem durch die Medaille ist der Greif zum Symbol und Wappen des DAI geworden, und ab diesem Zeitpunkt erscheint er auch auf Publikationen des Instituts. Zum 150. Jubiläum des DAI 1979 und anlässlich der Ausstellung „Berlin und die Antike" wurde der Greif schließlich sogar auf einem Fünfmarkstück verewigt. Zu dieser Zeit hatte er sich bereits fest als Zeichen des DAI etabliert. Heute ist der Greif, der die Kulturen der Alten Welt miteinander verband, Zeichen für die internationale Zusammenarbeit, der sich das Deutsche Archäologische Institut verpflichtet fühlt.