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angle-left 06.07.2018 Die Ziege als Haustier – keine lokale Erfindung

Eine aktuelle paläogenetische Studie unter Beteiligung des Referats Naturwissenschaften am Deutschen Archäologischen Institut (DAI) widerlegt die gängige Forschungsmeinung, die ersten Ziegen seien im südlichen Anatolien domestiziert worden.

Ziegen gehören neben Schafen zu den ältesten Wirtschaftshaustieren des Menschen. Die ersten Belege finden sich schon vor über 10.000 Jahre in Siedlungen des Vorderen Orients. Forschungen zur Domestikation von Ziegen zeigen, dass alle heutigen Hausziegen auf die in den Bergregionen Klein- und Vorderasiens weit verbreiteten Bezoarziegen zurückgehen. Als frühes und alleiniges Domestikationsgebiet galt lange Zeit das südliche Anatolien, und hier insbesondere die obere Euphrat-Region. Doch das kann nun widerlegt werden.

Ein Forscherteam unter Beteiligung der Archäozoologen des DAI untersuchte ein umfangreiches Probenmaterial  prähistorischer Ziegen und fand heraus, dass  Domestikationsprozesse offenbar an ganz unterschiedlichen Populationen der Bezoarziege angesetzt haben. Darauf weist vor allem das geographisch strukturierte  Auftreten mitochondrialer Haplotypen unter den ältesten Hausziegen hin. Haplotypen sind Gruppen von Tieren mit bestimmten einheitlichen Erbinformationen. Bei Wild- und Hausziegen werden sieben Haplotypen unterschieden. Das bedeutet, Menschen kamen in verschiedenen Regionen des weiten vorderasiatischen Berglandes annähernd zeitgleich auf die Idee, Wildziegen als dauerhafte Nutztiere in den Hausstand zu überführen und schufen so Ziegenbestände mit unterschiedlichen Haplotypen.

In den nachfolgenden Zeitperioden (Kupfer- und Bronzezeit) löst sich diese geographische Strukturierung weitgehend auf. Offenbar kam es etwa infolge von Wanderbewegungen und Handel zu einer stärkeren Vermischung  der Ziegenbestände.

Genetische Indizien im Rahmen der Untersuchung zeigen ferner, dass der Mensch sehr früh mit einer gezielten Zucht und Selektion begonnen hat. Er versuchte verschiedene Köpermerkmale wie die Pigmentierung des Fells, die Größe, die Reproduktion oder die Milchleistung zu beeinflussen.

K. G. Daly  et al., Ancient goat genomes reveal mosaic domestication in the Fertile Crescent, Science vol. 361 no. 6397 85-88

 

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Rosalind Gillis
Labor für Archäozoologie
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