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Antike Wolkenkratzer in Äthiopien?

AUS DEN PROJEKTEN

Virtuelles Landschaftsmodell mit dem Palast von Yeha in Bildmitte in einer Rekonstruktionsvariante mit acht Stockwerken © artefacts-berlin.de; Bauforschung: Mike Schnelle (DAI Orient-Abteilung).

09.09.2026 | Außenstelle Sanaa

Ein äthiopisch-deutsches DAI-Projekt untersucht die Tragfähigkeit der Wände eines antiken mehrstöckigen Palastes in Yeha (Äthiopien)

Hybride Wandsysteme unter Einsatz von Holz spielen im modernen Hochhausbau weltweit eine immer größere Rolle, wie aktuelle Beispiele in Sydney, Hamburg, Wien und Berlin zeigen. Ziel solcher Systeme ist ein nachhaltigerer Bauprozess mit einem geringeren CO₂-Anteil durch die Reduzierung von Beton und Stahl als Baumaterial.
Neueste Forschungen des DAI zeigen, dass bereits im antiken Südarabien und auch im äthiopisch-eritreischen Hochland der ersten Hälfte des 1. Jahrtausends v. Chr. Gebäude mit hybriden Wandsystemen weit verbreitet waren.
Ihre Wände bestanden aus einem vermörtelten Mauerwerk und Holzbalken und kamen natürlich ganz ohne Beton und Stahl aus. Es gilt als sicher, dass es genau diese Wandbauweise ermöglichte, mehrstöckige Bauten zu errichten.
Wie hoch diese Gebäude waren, ließ sich bislang nicht ermitteln. Das lag vor allem daran, dass sie meist durch Brand zerstört wurden und sich im archäologischen Befund lediglich Teile des untersten Stockwerks erhalten haben. In Überlieferungen arabischer Geschichtsschreiber werden Bauwerke mit bis zu 20 Stockwerken erwähnt, und auf südarabischen Felszeichnungen und Wandmalereien sind solche turmartigen, mehrgeschossigen Bauwerke abgebildet. Statisch fundierte Tragfähigkeitsuntersuchungen dieser komplexen Wandsysteme fehlten jedoch bisher.
Ein äthiopisch-deutsches Forschungsprojekt der Außenstelle Sanaa der Orient-Abteilung des DAI am Fundplatz Yeha, das als Langfristvorhaben von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert wird, untersucht dort den in Südarabien und Ostafrika größten bisher bekannten Palast namens Grat Be'al Gibri. Dieser Monumentalbau weist ein derartiges Wandsystem mit ausschließlich horizontal verlegten Balken auf.
Ein assoziiertes Kooperationsprojekt mit dem Fachgebiet Statik und Dynamik der BTU Cottbus-Senftenberg unter der Leitung von Martin Drieschner (BTU) und Mike Schnelle (DAI) untersucht die Wände des Palastes hinsichtlich ihrer statischen Funktionsweise und Tragfähigkeit numerisch. Die ersten Ergebnisse belegen, dass das am Palast von Yeha verwendete Wandsystem hocheffizient war und die Errichtung von mindestens 19 Stockwerken erlaubt hätte – damit wäre dieser Palast ein antiker Wolkenkratzer gewesen. In weiteren Projektabschnitten sollen nun die Deckenkonstruktionen sowie die Gebäudegeometrie in die statischen Berechnungen mit einbezogen werden.

Mehr Infos über die technischen Merkmale des Palastes hat die BTU veröffentlicht: https://www.b-tu.de/news/artikel/32371-btu-statiker-liefert-neue-erkenntnisse-zu-antikem-palast-in-aethiopien

Virtuelles Schnittmodell des mehrstöckigen Palastes von Yeha in einer Variante mit acht Stockwerken © artefacts-berlin.de; Bauforschung: Mike Schnelle (DAI Orient-Abteilung).
Wandkonstruktion des Palastes von Yeha. Erhalten haben sich das Bruchsteinmauerwerk sowie die Balkenlöcher © DAI Orient-Abteilung // Mike Schnelle.
Wandkonstruktion des Palastes von Yeha. Rekonstruktion des Wandsystems © DAI Orient-Abteilung // Mike Schnelle.
Hypothetischer virtueller Rekonstruktionsentwurf der Frontfassade des Palastes von Yeha mit acht Stockwerken (Bildvordergrund) und 19 Stockwerken (Bildhintergrund) © artefacts-berlin.de; Bauforschung: Mike Schnelle (DAI Orient-Abteilung); statische Berechnung: Martin Drescher (BTU Cottbus-Senftenberg).
Virtuelles Landschaftsmodell mit dem Palast von Yeha in Bildmitte in einer Rekonstruktionsvariante mit acht Stockwerken © artefacts-berlin.de; Bauforschung: Mike Schnelle (DAI Orient-Abteilung).

Kontakt
PD Dr. phil. habil. Arnulf Hausleiter , Wissenschaftlicher Referent für die Archäologie der Arabischen Halbinsel
Arnulf.Hausleiter@dainst.de

Dipl.-Ing. Mike Schnelle , Wissenschaftlicher Mitarbeiter
Mike.Schnelle@dainst.de

DAI Pressestelle
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Partner

Brandenburgische Technische Universität Cottbus - Senftenberg (BTU Cottbus - Senftenberg)

Förderer

Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG)