Kulturerhalt - Geschichte

Geschichte der Baudenkmalpflege

Das Deutsche Archäologische Institut blickt auf eine lange Tradition von Maßnahmen, aber auch methodischen und theoretischen Reflexionen zum Erhalt des kulturellen Erbes zurück. Mit dem Einsetzen der großen Grabungen im ausgehenden 19. Jahrhundert stellte sich schließlich unmittelbar die Frage nach dem Umgang mit den ausgegrabenen Funden und Befunden, vor allem mit den Großarchitekturen. Der denkmaltheoretische Diskurs, der in dieser Zeit in Deutschland sehr rege geführt wurde, spiegelt sich in den Überlegungen der beteiligten Bauforscher unmittelbar wider. Dies galt für die großen Grabungen in Olympia und Pergamon ebenso wie für Ägypten oder den Alten Vorderen Orient. Auf allen Unternehmungen sind bereits sehr früh verstärkte Bemühungen zur Erhaltung und Präsentation der Ruinen zu vermerken. Diese reichten bereits von kleineren, grabungsbegleitenden Sicherungsmaßnahmen und Restaurierungen über aufwändige Erhaltungs- und Instandsetzungsmaßnahmen und die Wiederaufstellung von Bauteilen bis zur Errichtung von Schutzbauten oder Museen zur Präsentation der Fundstücke.

Die Arbeit an den Grabungsplätzen des DAI war demnach von Anfang an von grundlegenden Überlegungen zum denkmalgerechten und denkmalverträglichen Umgang mit den archäologischen Hinterlassenschaften bestimmt. Im Kern bestanden immer die gleichen grundsätzlichen Probleme: Wie geht man mit den Zeitschichten der Denkmäler um? Dürfen spätere Phasen während einer Grabung entfernt werden, um den als Hauptphase definierten Zustand sichtbar zu machen? In welchem Verhältnis stehen die Konservierung des ausgegrabenen Zustands und die Rekonstruktion, die es auch ermöglicht, eine Ruine verstehbar zu machen? Wie können Original und Restaurierung voneinander sichtbar und nachvollziehbar unterschieden werden?

Die Überlegungen zum richtigen Umgang mit den Denkmälern wurden nicht nur konkret auf den Grabungsplätzen und in den Abteilungen diskutiert, sondern mündeten auch in grundlegenden Arbeiten, wie der Publikation von Theodor Wiegand "Die Denkmäler als Hilfsmittel der Altertumsforschung".

Ruinenpflege als konkretes und didaktisches Anliegen mit den jeweils adäquaten Methoden, die stetig hinterfragt und weiterentwickelt werden müssen, ist eine grundsätzliche Herausforderung, die bis heute fortbesteht. Die Diskussionen über den richtigen Umgang mit den Ruinen entwickelten sich dabei parallel zu den allgemeinen Anstrengungen der Etablierung von Denkmalschutzbehörden, von Denkmalgesetzen und Konventionen, die seit dem Beginn des 19. Jahrhunderts – dem Anfang der organisierten und institutionalisierten Denkmalpflege – bis heute andauern.

Friedrich Schinkel (1781–1841) forderte bereits 1815, vor 200 Jahren, in einem Memorandum, dessen Ziel die "die Erhaltung aller Denkmäler und Alterthümer des Landes" war, nicht nur "die Schaffung von Verwaltungsstrukturen, sondern auch von Registern schützenswerter Denkmäler". Dies ist eine Idee, die heute nicht zuletzt in Gestalt der UNESCO Listen des Welterbes global verbreitet ist. Vor 50 Jahren begann dann mit der Charta von Venedig die Liste der internationalen Konventionen zum Schutz des kulturellen Erbes. Ihren vorläufigen Höhepunkt fanden diese in der 2003 verabschiedeten Konvention zum Schutz des immateriellen Kulturerbes ("Safeguarding of Intangible Cultural Heritage"). Viele der Inhalte dieser Regelwerke und globalen Standards wurden auf den Grabungen des Instituts lange Zeit vor ihrer globalen Gültigkeit entwickelt und angewandt. Dies bereitete den Boden für ihre Akzeptanz und Verbreitung in den Gastländern und leistete damit einen wichtigen kulturpolitischen Beitrag mit großer Tradition.

Mit der Gründung des Architekturreferats an der Zentrale in Berlin 1973 hat die archäologische Baudenkmalpflege dann eine institutionelle Heimat gefunden. Die vom Referat durchgeführten Kolloquien und Publikationen haben zu einer weiteren Intensivierung der Diskussionen geführt. Das Architekturreferat verfolgte damit auch das Ziel, die Denkmalpflege neben der Bauforschung von Beginn an als gleichberechtigtes Forschungsinteresse zu etablieren.

Literatur

  • Th. Wiegand, Die Denkmäler als Hilfsmittel der Altertumsforschung. Handbuch der Archäologie (München 1939) S. 71131
  • Architekturreferat des Deutschen Archäologischen Instituts (Hrsg.), Archäologie und Denkmalpflege, DiskAB 2 (Berlin 1975)
  • H. Schmidt, Schutzbauten, in: Architekturreferat des Deutschen Archäologischen Instituts (Hrsg.), Denkmalpflege an Archäologischen Stätten 1 (Stuttgart 1988)
  • H. Schmidt, Wiederaufbau, in: Architekturreferat des Deutschen Archäologischen Instituts (Hrsg.), Denkmalpflege an Archäologischen Stätten 2 (Stuttgart 1993)
  • M. Müller – Th. Otten – U. Wulf-Rheidt (Hrsg.), Schutzbauten und Rekonstruktionen in der Archäologie. Von der Ausgrabung zur Präsentation, Xantener Berichte 19 (Mainz 2011)
  • W. Mayer – Ph. Speiser, Der Vergangenheit eine Zukunft. Denkmalpflege in der islamischen Altstadt von Kairo 1973-2004 (Mainz 2007)
  • A. Schuhmacher – J. Misiakiewicz, Priene. Die Restaurierung des Theaters 1992–1998 (Mainz 2007)
  • A. Distelrath, Siedeln und Wohnen in einer Ruinenstätte. Ein denkmalpflegerisches Projekt für Herakleia am Latmos, Miras 1 (Istanbul 2011)
  • M. Bachmann – Ç. Maner – S. Tezer – D. Göçmen (Hrsg.), Heritage in Context – Konservierung und Site Management im natürlichen, urbanen und sozialen Raum, Miras 2 (Istanbul 2014)
  • Broschüre: Bewahrung archäologischen Kulturguts für die Nachwelt (PDF 4,4 MB)

#unite4heritage

Widget Teaser e-Forschungsberichte