Überregionale Forschungsschwerpunkte

TransArea Studies - Frühe Zentren der Globalisierung

Die frühen Kulturen der Menschheitsgeschichte weisen sehr weitreichende Handelsnetzwerke und Systeme kulturellen und politischen Austausches auf. Das Netz der Seidenstraßen, die China mit dem Mittelmeer verbinden, ist nur eine von vielen Ausprägungen dieser transregionalen Verbindungen der antiken Welt. Die Gründungen von Koloniestädten durch Griechen und Phönizier, die Seehandelsnetzwerke des Mittelmeeres oder die vielfältigen Migrationsphänomene bis hin zur sog. Völkerwanderung sind weitere Beispiele früher Dynamiken in und zwischen Räumen. Aber auch die Ausbreitung und Verbreitung technischer und sozialer Innovationen sowie grundlegender Kulturtechniken wie der Domestikation von Pflanzen und Tieren sowie die Aneignung und Verbreitung von Schrift- und Zahlsystemen sind hier zu nennen.

Die wechselnden Zentren in den Netzwerken und Herrschaftssystemen der frühen Kulturen erfordern einen stetigen Perspektivenwechsel, der eurozentrische Weltsichten und -konzepte transformiert und aufhebt. Auf einzelne Regionen bezogene Studien sind in den Altertumswissenschaften daher immer auch mit transregionalen Perspektiven verbunden. Solche transregionale Perspektiven besitzen natürlich auch in der Arbeit des Deutschen Archäologischen Instituts eine lange Tradition, haben jedoch mit dem allgemein gesteigerten Interesse an komplexen globalen und transregionalen Studien an Intensität gewonnen.

Der Wissenschaftsrat bemerkt 2006 in seinen 'Empfehlungen zu den Regionalstudien (area studies) in den Hochschulen und außeruniversitären Forschungseinrichtungen': "Der Prozess der Globalisierung auf der einen und, damit zusammenhängend, eine betonte Verstärkung kultureller und also regionaler Identitäten auf der anderen Seite haben das Interesse an regionalspezifischer Kompetenz steigen lassen. Auch in der Wissenschaft selbst ist durch die stärkere Berücksichtigung kultureller Dimensionen die Betrachtung von Kulturräumen und ihren Wechselwirkungen prominenter geworden." Area Studies erweisen sich somit aus der Perspektive der Archäologie und Altertumswissenschaften nicht nur als Domäne historischer, soziologischer oder ethnologischer Untersuchungen der modernen Welt. 

Forschungsschwerpunkte am DAI

Die Aufteilung des DAI in wissenschaftliche Einheiten mit zumeist geographischer Zuständigkeit und damit verbundenen disziplinären Spezialisierungen, hat den Nebeneffekt, dass die räumlichen Zusammenhänge in den frühen Kulturen fragmentiert wahrgenommen werden und transregionale Zusammenhänge nicht unbedingt erkannt werden. Die weltarchäologische Perspektive des DAI bietet zudem die Möglichkeit, gleichzeitige und ungleichzeitige Entwicklungen und damit auch die wechselnden Zentren der Globalisierung der "Antiken" Welt zu beschreiben und zu analysieren. Der Aufbau digitaler kultureller Archive (Digital Cultural Archives) am DAI, die einen unschätzbaren Fundus an Forschungsdaten enthalten, sowie die neuen technologischen Möglichkeiten der Landschaftsarchäologie große Räume zu erforschen, erlauben heute ganze neue Ansätze in der Untersuchung räumlicher Zusammenhänge. Die Entwicklung dieser übergreifenden räumlichen Perspektivierungen ist aber wesentlich auch durch aktuelle Entwicklungen der Globalisierung beeinflusst. Die Einbeziehung in die Diskussionen des Forum Transregionale Studien in Berlin, in dem das DAI Mitglied ist, hat diese internen Diskussionen im DAI befördert.

Bereits 2009 wurde im DAI über die Potenziale einer überregionalen Vernetzung der Arbeit des Instituts diskutiert. Die Diskussion nahm zunächst das circumsaharische Afrika in den Blick und prägt damit auch die Fragestellungen des neuen Forschungsclusters 6 "Connecting cultures". Ziel ist es, die transregionalen Phänomene in den frühen Kulturen der Menschheitsgeschichte zu verstehen. Ziel ist es aber auch, die bis in unsere Zeit hineinreichende Wirkung antiker räumlicher Zusammenhänge oder vielmehr der modernen Vorstellungen und Entwürfe der historischen Kulturräume und der antiken globalen Welt zu analysieren. Die moderne Welt mit ihren Austauschprozessen, Interaktionen und Interdependenzen zwischen verschiedenen Regionen ist nicht allein ohne eine Betrachtung dieser Verflechtungen zu verstehen. Ein Blick in die Geschichte kultureller Konstruktionen, Identitätszuschreibungen, Migrationsvorgänge und auch basaler Veränderungen der Umwelt hat einen großen Anteil an diesem Verständnis. 

Im DAI treten derzeit drei Regionen in den Mittelpunkt gemeinsamer Arbeit, die in besonderem Maße Veränderungen unterworfen sind: Afrika, der indische Ozean und der Zentral- und Mittelasiatische Raum. Dabei sollen soziale und kulturelle Dynamiken in Räumen und die wechselnden Zentren der Globalisierung in den Welten der frühen Kulturen erforscht werden.  

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TransArea Network Africa

Das Deutsche Archäologische Institut hat mit den TransArea Studies seit 2014 neben den Forschungsclustern ein zweites Vernetzungsformat etabliert. Im September 2014 trafen sich 30 auf dem...