Überblick
Bei Restaurierungsarbeiten an der Moschee-Kathedrale von Córdoba (Spanien), auch bekannt als Mezquita-Catedral, wurden ab 1875 über 400 reich dekorierte Balken und Deckentafeln des 8.–10. Jhs. geborgen. Im Hof der Moschee-Kathedrale sind heute 232 dieser Bauteile ausgestellt, rund 160 weitere, darunter viele Fragmente, befinden sich in einem Magazin. Es handelt sich dabei unseres Wissens um die ältesten umfangreichen Reste einer Holzbalkendecke nebst Dachwerk in Europa. Sie geben detaillierten Aufschluss über die Holzgewinnung, die Werkverfahren, die Dachkonstruktion und das sichtbar geometrisch konstruierte Ornamentprogramm der Moschee des 10. Jhs. und damit in wesentliche Elemente der Herstellung und der Raumkonzeption eines der bedeutendsten Sakralräume des frühen Mittelalters. Zudem verspricht ihre Untersuchung die bauabschnittsgenaue Datierung der wechselhaften Geschichte eines Gebäudes von Weltrang: Nach der Eroberung durch Fernando II. wurde die Decke mehrfach umgestaltet und geänderten Repräsentations- und Raumvorstellungen angepasst. Mit der umfassenden Dokumentation, Untersuchung und Interpretation der Bauteile kann ein bedeutender Beitrag zur Erforschung eines einzigartigen Denkmals geleistet werden, ein wichtiger Baustein der Architekturgeschichte Europas und des Mittelmeerraums.
