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Nils Fischer - Jacobi-Stipendienprogramm

STIPENDIUM
Nils Fischer in der Kommissionsbibliothek
Nils Fischer in der Kommissionsbibliothek © DAI // Lennart Lundgreen

17.07.2026 | Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik

Nils Fischer verbrachte die Zeit von April bis Juni 2026 als Jacobi-Stipendiat an der Kommission und berichtet von seinen Eindrücken.

Für welchen Aspekt ihres Aufenthaltes sind Sie am dankbarsten?

Während meines Aufenthaltes an der Kommission habe ich von allen Seiten umfassende Unterstützung erhalten. Das reicht von der ausführlichen Einweisung in die Nutzung der Bibliothek zu Beginn meines Aufenthaltes über Einladungen zur Teilnahme an den verschiedensten altertumswissenschaftlichen Aktivitäten und Veranstaltungen der Kommission bis hin zur professionellen fachlichen Beratung durch die wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kommission. Bei Nachfragen wusste ich stets, an wen ich mich wenden konnte. Für diese große Hilfsbereitschaft bin ich sehr dankbar.

Wem würden Sie eine Bewerbung für ein Jacobi-Stipendium besonders ans Herz legen?

Eine Bewerbung für das Jacobi-Stipendium empfehle ich allen, die eine Dissertation in einem Themenbereich anstreben, das zum Forschungsprofil der Kommission passt. Denn der Forschungsaufenthalt an der Kommission in München bietet in diesem Fall erhebliche Vorteile. Zunächst einmal beherbergt die Kommission einen umfassenden Bibliotheksbestand, der auch randständige, spezialisierte Fachliteratur griffbereit hält. Besonders profitiert habe ich außerdem von den fachlichen Diskussionen und den regelmäßig stattfindenden Fachvorträgen. Dabei habe ich die Atmosphäre an der Kommission als freundlich und kollegial, gleichzeitig aber auch als fokussiert und professionell wahrgenommen. Die thematische Ausrichtung meiner Arbeit hat das wirklich weitergebracht. Davon einmal abgesehen, ist München grundsätzlich ein Zentrum der deutschen Altertumswissenschaften. Während des Semesters findet täglich ein umfangreiches Veranstaltungsprogramm statt. Insofern möchte ich altertumswissenschaftlichen Doktorandinnen und Doktoranden nahelegen, einen Aufenthalt an der Kommission in der Endphase ihrer Dissertation in Erwägung zu ziehen. Für mich stellte der Aufenthalt in München fachlich und persönlich eine echte Bereicherung dar.

Welche Aspekte Ihrer Arbeit sind auch für jemanden spannend, der nie Geschichte studiert hat?

Früher war das Leben auf den griechischen Inseln ruhig, einfach und bescheiden – ja sogar isoliert von der übrigen rauen Welt. Zumindest packt uns dieses Gefühl, wenn wir in den sozialen Medien auf alte Fotografien aus Mykonos oder Santorini aus der Zeit vor der Entstehung des Massentourismus stoßen. Mit der historischen Wirklichkeit hat dieses romantische Bild jedoch nur wenig gemein. Tatsächlich war die Ägäis zu allen Zeiten ein dicht befahrener und eng vernetzter maritimer Raum. Austausch, Transport und Handel zwischen den Inseln gehörten zum Alltag. Doch die Bedingungen und Regeln waren völlig anders als heute. Was bedeutete das Meer als dynamischer Lebens- und Verkehrsraum für die Menschen, die in dieser Welt lebten? Wie nahmen sie eine Umwelt wahr, die einerseits vielfältige Möglichkeiten eröffnete, andererseits aber auch erhebliche Gefahren mit sich brachte, etwa Überfälle oder Piraterie? Diese Fragen untersuche ich für die hellenistische Epoche (c. 350–50 v.Chr.), weil aus dieser Zeit zahlreiche Quellen vorliegen (v.a. Inschriften). Auf diese Weise lässt sich besser verstehen, wie sich das Leben auf den ägäischen Inseln gestaltete und wie ihre Bewohner:innen agierten, bevor der Mensch in der Moderne den insularen Raum grundlegend veränderte.