Tuvalu Digital Repository for Cultural Heritage bei Vereinten Nationen in New York

Vortrag zu Projekten des DAI beim C-Set Workshop © GCCM // Loretto Azzopardi
Bei einem thematischen Workshop der C-SET-Koalition und des Global Centre for Climate Mobility (GCCM) in New York präsentierte Dr. Annette Kühlem vom Deutschen Archäologischen Institut (DAI) das Projekt als konkretes Modell für den Schutz gefährdeten Kulturerbes im Kontext des Meeresspiegelanstiegs.
Der Workshop fand am 9. April 2026 in der Ständigen Vertretung der Republik Korea bei den Vereinten Nationen statt und unterstützte den laufenden UN-Prozess zur Ausarbeitung einer Politischen Erklärung zum Meeresspiegelanstieg. Die C-SET-Koalition – gemeinsam von Deutschland und Tuvalu geleitet und von einer Gruppe von Vorreiterstaaten getragen – versammelte Wissenschaftler:innen, Rechtsexpert:innen und Entwicklungsfachleute, um die drängendsten Dimensionen dieser globalen Herausforderung zu diskutieren.
Dokumentation als Handlungsfeld der Klimapolitik
Das Tuvalu Digital Repository for Cultural Heritage, das das DAI gemeinsam mit dem tuvaluischen Department of Culture und der Rising Nations Initiative (RNI) des GCCM entwickelt und umsetzt, dokumentiert und sichert tuvaluisches Kulturerbe – materiell wie immateriell –, das durch den Meeresspiegelanstieg zunehmend bedroht ist. Kühlem verdeutlichte in New York, wie digitale Technologien zur kosten- und zeiteffizienten Dokumentation eingesetzt werden und wie der partizipative Ansatz des Projekts – die konsequente Einbindung tuvaluischer Gemeinschaften in Entscheidungsprozesse und Projektentwicklung – in der internationalen Klimadebatte zunehmend als unverzichtbares Modell gilt: „Die digitale Sicherung von Kulturerbe ist eine konkrete und unmittelbar wirksame Antwort auf die Bedrohungen des Klimawandels. Während die internationale Gemeinschaft an den Klimazielen der Sustainable Development Goals arbeitet, handeln wir zeitgleich vor Ort – durch Dokumentation, Capacity Building und Forschung im engen Austausch mit den lokalen Gemeinschaften“, erläuterte Annette Kühlem, Projektleiterin an der Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen am am DAI.
Lokale Kapazitäten als Grundlage kultureller Souveränität
Seit dem Berlin Climate Mobility Forum im Juni 2025 hat das Projekt weiter an Substanz gewonnen: Schulungen und Workshops haben lokale Kapazitäten auf den verschiedenen Inseln aufgebaut, sodass die tuvaluischen Gemeinschaften ihr Kulturerbe künftig eigenständig digital erfassen und sichern können. Entscheidungsprozesse erfolgen dabei im Einklang mit lokalen Wertesystemen; besonders sensibles oder heiliges Wissen bleibt ausschließlich autorisierten Wissensinhaber:innen zugänglich – ganz im Sinne kultureller Souveränität. Das Repositorium umfasst neben dreidimensionalen Modellen von Kulturstätten und Objekten sowie der Transkription mündlicher Überlieferungen auch die audiovisuelle Dokumentation von Tänzen, Liedern, Musik, Handwerk und kulturellen Praktiken. Das Projekt wird vom DAI in enger Abstimmung mit dem tuvaluischen Department of Culture durchgeführt und vom Auswärtigen Amt finanziert. Es ist Teil einer umfassenderen Partnerschaft mit dem GCCM und unterstreicht Deutschlands Engagement für Klimagerechtigkeit und kulturelle Resilienz, insbesondere in besonders gefährdeten Regionen wie den Small Island Developing States (SIDS).
Kontakt
Dr. phil.
Annette Kühlem
, Projektleitung Rapa Nui (Osterinsel, Chile)
Annette.Kuehlem@dainst.de
Doris Fleischer
, Pressereferentin und stellv. Leitung Kommunikation
Doris.Fleischer@dainst.de
DAI Pressestelle
Podbielskiallee 69
14195 Berlin
Tel.: +49 (0)30 187711-120
Mail: presse@dainst.de
Förderer
Auswärtiges Amt

