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Frühes Neolithikum auf der Insel Rügen
Die Insel Rügen (Deutschland) zeichnet sich durch eine abwechslungsreiche Kultur- und Naturlandschaft aus. Von umfangreichen natürlichen Ressourcen begünstigt siedelten hier im 4. Jtsd. v. Chr. Träger die Trichterbecherkultur (TBK), welche Ackerbau und Viehzucht etablierten. Ihre über tausendjährige Anwesenheit zeigt sich anhand der großen Menge von Keramiken und Flintgeräten, die im Zuge von Oberflächenbegehungen und vereinzelter Grabungen gesammelt wurden. Hervorzuheben sind aber vorallem die obertägig sichtbaren Großsteingräber, die einst von der TBK zu hunderten errichtet wurden und die heute noch das Landschaftsbild prägen. Trotz eines bereits im 18. Jhd. einsetztenden Forschungsinteresses für diese Hinterlassenschaften ist insgesamt wenig über die gesellschaftliche Kulturentwicklung der TBK bekannt. Im Rahmen einer Dissertation mit dem Titel „Die Trichterbecherkultur auf Rügen“ (betreut von Prof. Johannes Müller, Institut für Ur- und Frühgeschichte, CAU zu Kiel) soll eine Zusammenstellung aller Daten erfolgen, um auf dieser Basis das Phänomen der Trichterbecherkultur auf Rügen in Raum und Zeit zu untersuchen.

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Geschichte

Als im 4. Jtsd. v. Chr. Träger der TBK nach Rügen kamen, trafen sie dort auf eingesessene Jäger- und Sammlergesellschaften der Ertebølle Kultur. Nach neusten Forschungen scheint sich die Etablierung der neolithischen Lebensweise rasch vollzogen zu haben. So gibt es zum einen den Nachweis von domestizierter Gerste bereits um 3800 v. Chr. Zum anderen weisen mehrere Siedlungen eine Platzkontinuität auf, die vom Mesolithikum bis in das Frühneolithikum reichen. Etwas um 3600/3500 v. Chr. beginnt die TBK mit dem Errichten von Großsteingräbern auf Rügen. Die heute noch 45 erhaltenen Anlagen spiegeln die einstige Rituallandschaft nur bruchteilhaft wider. Anhand historischen Kartenmaterials lassen sich um 1800 noch über 200 Gräber belegen, so dass zur Zeit der TBK von einer enormen Anzahl auszuge-hen ist. Sie verdeutlichen, dass es ganze Nekropolen, bestehend aus mehreren Dutzend Anlagen, gegeben haben muss. Die Grabarchitektur variiert zwischen einfachen Großdolmen bis hin zu Langbetten, welche fast alle eine windfangartige Einggangskonstruktion gemein haben. Nach der Errichtung eines Grabes wurde dieses mehrfach als Bestattungsort benutzt, wobei architektonische Veränderungen und Beisetzungen oft bis in die Frühbronzezeit vorgenommen wurden. Die Gräber geben über den Entwicklungsverlauf der TBK den größten schluss, da Siedlungen häufig nur durch Oberflächenfunde belegt sind. Die archäologisch untersuchten Siedlungen lassen sich anhand ihrer wenigen Befunde zeitlich schwer fassen oder/und sind häufig von nachfolgenden Kulturen stark überprägt. So gibt das reiche spektrum der Keramik und Flintartefakte überwiegend Einblick in das Bestattung- und Siedlungswesen. Um 2800 v. Chr. nehmen die Belege der TBK ab und ein neues Fundspektrum – das der Einzelgrabkultur – tritt in den Vordergrund.

Forschungsgeschichte

Der Fokus zur Erforschung der Urgeschichte Rügens lang von jeher auf die obertägig gut sichtbaren Großsteingräber der TBK. Im 19. und beginnenden 20. Jhd. waren es Dorflehrer und Gutsbesitzer, die diese Anlagen, dabei vorallem das Kammerinnere, ausgraben ließen und die Funde in Privatbesitz nahmen. So existieren mehrere große Privatsammlungen, die nach und nach dem Landesamt für Bodendenkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern zugeführt werden, aber in jedem Fall gemeldet sind. In den 30er Jahren nahm Ernst Sprockhoff eine Inventarisierung sämtlicher Großsteingräber Norddeutschlands vor. Dabei dokumentierte er den Zustand der Anlagen, gestaltete Grundrisse und Ansichten, welche von 1966-1975 in Form mehrerer Atlanten veröffentlicht wurden. Sprockhoff schuf dabei erstmalig ein Benennungssystem der unterschiedlichen Megalithformen. Erste Forschungsgrabungen wurden in den 60er Jahren durch Ewald Schuldt, dem damaligen Direktor des Museums für Ur- und Frühgeschichte Schwerin, vorgenommen. Im Rahmen eines Forschungsprogrammes zur Untersuchung megalitischer Anlagen, wurden auf Rügen 16 Gräber archäologisch ausgegraben und publiziert. Schuldt erkannt dabei die architektonische Besonderheit des „windfangartigen“ Einganges, die Rügen und einen kleinen angrenzenden Bereich Nordvorpommerns als regionale Untergruppe vom Verbreitungsgebiet der TBK abgrenzt.
Neuste Forschungen fanden kürzlich durch das DFG geförderte Schwerpunktprogramm (SPP) 1400 „Frühe Monumentalität und soziale Differenzierung“ (www.schwerpunkt-monumente.de) statt. Unter dem Teilprojekt „Megalithlandschaft Südostrügen“ erfolgten 2010 und 2011 Ausgrabungen an Gräbern in Burtevitz und Baabe, die umfassende Nutzungs- und Bauhorizonte ergaben. Dabei wurden die Untersuchungen erstmals bodenkundlich und archäobotanisch begleitet, so dass Ergebnisse zur Landschaftsrekonstruktion, Ernährungswei-se, Grabbauarchitektur und Datierung erzielt werden konnten. Darüberhinaus ermöglichten Prospektionen Ansätze einer Grab- und Siedlungslandschaftsrekonstruktion. Die archäologisch erhobenen Daten stehen für das Dissertationsvorhaben zur Verfügung und werden in diesem Rahmen detailiert vorgelegt.
Neben den aufgeführten wissenschaftlichen Forschungen existiert eine enorme Daten- und Materialmenge, die im Zuge von Flurbegehungen und Rettungsgrabungen seitens des Landesamtes entstanden sind. Auf Rügen gibt es eine intensive Flurbegehungstätigkeit durch ehrenamtliche Bodendenkmalpfleger, so dass heute über 2000 Oberflächenfundplätze bekannt sind. Selten handelt es sich dabei um publizierte Plätze.

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Kontakt

Anja Behrens
Wissenschaftliche Hilfskraft
Podbielskiallee 69-71
14195 Berlin
Deutschland
 
+49 (0)30 187711-145

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