Detail Navigation

Project Summary

Kalapodi (2 Teilprojekte)
Beim mittelgriechischen Ort Kalapodi traten zwei nebeneinander gelegene Tempelanlagen zutage, von denen die südliche eine kultische Nutzung seit mykenischer Zeit aufweist. Nach neuesten Ergebnissen handelt es sich bei dem Heiligtum um die bedeutende Orakelstätte des Apollon von Abai.

Detail Map

Project Display

Heiligtum mit Kultkontinuität von der mykenischen Epoche bis zur römischen

Der moderne Ort Kalapodi liegt in der Nähe der Ortschaft Atalanti in Mittelgriechenland in einer Region, die in der Antike zu Phokis gehörte. Etwas außerhalb des modernen Ortes wurde ein Heiligtum entdeckt, in dessen Kern sich seit früharchaischer Zeit zwei parallele Tempelanlagen, die Nord- und die Süd-Tempel befanden. Die Nord-Tempel wurden bereits vom ersten Ausgräber Rainer Felsch (1974-1983) als Apollon-Tempel gedeutet, die südlichen als Tempel der Artemis. Bei dem Heiligtum handelt sich nach neueren Erkenntnissen wahrscheinlich eher um das Apollonion von Abai, einem bedeutenden phokischen Heiligtum, als um das Artemision von Hyampolis, wie die ältere Forschung vermutete. In der literarischen Überlieferung wird das Orakel des Apollon von Abai bisweilen in einem Atemzug mit Delphi und Didyma genannt. Das Heiligtum bei Kalapodi entstand nach den neueren Untersuchung von Wolf-Dietrich Niemeier (2004–2013) spätestens in mykenischer Zeit an einer wichtigen Wegeverbindung, welche vom Meer zwischen Euböa und dem Festland zu der großen Nord-Süd-Verbindung durch Mittelgriechenland entlang des Flusses Kephisos führte.
Insgesamt konnten mittlerweile 13 Architekturphasen des Heiligtums von mykenischer Zeit (SH III A1, zweite Hälfte des 15. Jhs. v. Chr.) bis in römische Zeit nachgewiesen werden.

Das seit 2014 laufende aktuelle Forschungsprojekt unter der Leitung von Katja Sporn setzt sich nun mit der Ausdehnung, Anlage und Infrastruktur des Heiligtums auseinander. Zu diesem Zweck wurden von der CAU Kiel (W. Rabbel/H. Stümpel) intensive geophysikalische Prospektionen in der weiteren Umgebung der beiden Tempel auf einer Fläche von ca. 7,5 ha durchgeführt. Deutlich zeichnet sich in den magnetischen und elektrischen Prospektionen die Existenz einer Siedlung mit orthogonalem Straßensystem ab. Sowohl östlich als auch westlich der Tempel liegen bisweilen größere lineare Strukturen, die als Gebäude zu deuten sind, verborgen. Die Grabungen der Jahre 2015 und 2016 erforschten einerseits paradigmatisch Stellen geophysikalischer Anomalien, andererseits setzen sie ältere Grabungsschnitte fort. So konnte 2016 nach Restaurierungsarbeiten am 2008 in Sturzlage entdeckten Westgiebel (WG) erstmals eine Sondage durchgeführt werden, die für die Klärung der Existenz von Giebeldekoration wichtig war. Auch ein Bereich mit einer Hangstützmauer, vor der später ein Ofenareal eingerichtet wurde (ZW), wurde nun weiter untersucht. In Verbindung mit den geophysikalischen Prospektionen nördlich des Heiligtumsareals haben diese Untersuchungen zum vorläufigen Ergebnis, dass die Hangstützmauer wohl in spätarchaisch/frühklassischer Zeit als Temenosmauer des Heiligtums fungierte. 2017 soll ihr weiterer Verlauf untersucht werden. Das Ofenareal wurde seit späthellenistischer Zeit zum Brand von Keramik und Ziegeln eingerichtet, das in einer archaische Planierschicht eingetieft wurde. Besonders aufschlussreich für die Geschichte der römisch-spätantiken Nutzung ist ein Schnitt im Bereich einer linearen Anomalie (NW 1). Hier traten bis 2016 im Bereich eines Spolienmauerareals, in dem auch Teile des spätklassischen Nordtempels Verwendung fanden, gut stratifizierte Schichten zutage, die auch Einblicke in das Nachleben des Heiligtums bis in das frühe 8. Jh. n. Chr. geben können.

Bibliographie in Auswahl:

‑ R.S.C. Felsch, Tempel und Altäre im Heiligtum der Artemis Elaphebolos von Hyampolis bei Kalapodi in: R. Ètienne - M.-Th. Le Dinahet (Hrsg.), L'espace sacrificiel dans les civilisations méditerranées de l'antiquité, Actes du Colloque tenue à la Maison de l'Orient, Lyon 1988, Publications de la Bibliothèque Salomon Reichmann V (Paris 1991) 85–91
‑ R.C.S. Felsch (Hrsg.), Kalapodi I. Ergebnisse der Ausgrabungen im Heiligtum der Artemis und des Apollon von Hyampolis in der antiken Phokis (Mainz 1996)
‑ R.S.C. Felsch, Kalapodi und Delphi - Zur Frühzeit des Apollonkultes in Mittelgriechenland, in: R. Rolle - K- Schmidt (Hrsg.) Archäologische Studien in Kontaktzonen der Antiken Welt, Veröffentlichungen der Joachim Jungius-Gesellschaft der Wissenschaften Hamburg (Göttingen 1998) 219–236
‑ R.C.S. Felsch (Hrsg.), Kalapodi II. Ergebnisse der Ausgrabungen im Heiligtum der Artemis und des Apollon von Hyampolis in der antiken Phokis (Mainz 2007)
‑ R. Felsch, Zu einigen rituellen Deponierungen im Heiligtum von Artemis und Apollon bei Kalapodi in der antiken Phokis, in: A. Schäfer – M. Witteyer (Hrsg.), Rituelle Deponierungen in Heiligtümern der hellenistisch-römischen Welt. Internationale Tagung Mainz 28.–30. April 2008, Mainzer Archäologische Schriften 10 (Mainz 2013) 53–68
‑ D. Grigoropoulos, Hadrian, Abai and the Memory of the Persian Wars, in: D. Panagiotopoulos – I. Kaiser – O. Kouka (Hrsg.), Ein Minoer im Exil. Festschrift für Wolf-Dietrich Niemeier (Bonn 2015) 74-98
‑ N. Hellner, Die Anfänge des griechischen Tempelbaus und die Gestaltungsidee der Säulenkannelur in Kalapodi/Phokis (GR), in: Bericht der 45. Tagung der Koldewey-Gesellschaft 2008 in Regensburg (Dresden 2010) 153–159

‑ N. Hellner, Überlegungen zu achteckigen Stützen in der antiken griechischen Architektur, RA, 227–262
N. Hellner, Kalapodi. Neue Kriterien einer Typologie der dorischen Architektur, in: I. Gerlach – D. Raue (Hrsg.), Forschungscluster 4 Heiligtümer. Gestalt und Ritual, Kontinuität und Veränderung. Sanktuar und Ritual – Heilige Plätze im archäologischen Befund, Menschen – Kulturen – Traditionen, ForschungsCluster 4, Bd. 10 (Rahden/Westf.2013) 43–52
‑ N. Hellner, Räumliche Führung am Beispiel der spätgeometrischen und archaischen Süd-Tempel von Abai/Kalapodi, in: D. Kurapkat – P.I. Schneider – U. Wulf-Rheidt (Hrsg.), Architektur des Weges. Gestaltete Bewegung im gebauten Raum. Bauforschungskolloquium in Berlin vom 6. bis 11. Februar 2012 veranstaltet vom Architekturreferat des DAI, DiskAB 11 (Regensburg 2014) 289–307
‑ N. Hellner, Ein stratigraphisch datiertes, hocharchaisches Kapitell aus Abai/Kalapodi, in: D. Panagiotopoulos – I. Kaiser – O. Kouka (Hrsg.), Ein Minoer im Exil. Festschrift für Wolf-Dietrich Niemeier (Bonn 2015) 125-145
‑ N. Hellner, Gab es in der Frühphase des archaischen Tempelbaus kannelierte Holzsäulen?, in: Β.Κ. Λαμπρινουδάκης – Ae. Ohnesorg – Ε. Σημαντώνη-Μπουρνιά – Κ. Ζάμπας (Hrsg.), Αρχιτέκτων. Honorary Volume for Professor Manolis Korres (Athen 2016) 555-568
‑ N. Hellner, Kalapodi. Zu den hölzernen Ursprüngen der dorischen Architektur, AtheNea 2016, 82-87
‑ I. Kaiser, Rituelle Mahlzeiten im spätbronzezeitlichen (SH III A) bis früheisenzeitlichen (SG) Heiligtum von Kalapodi, in: I. Gerlach – D. Raue (Hrsg.), Forschungscluster 4 Heiligtümer. Gestalt und Ritual, Kontinuität und Veränderung. Sanktuar und Ritual – Heilige Plätze im archäologischen Befund. Menschen – Kulturen – Traditionen, ForschungsCluster 4, Bd. 10 (Rahden/Westf. 2013) 295–297
‑ I. Kaiser – L.C. Rizzotto – S. Strack, Development of a Ceramic Cultic Assemblage. Analyzing Pottery from Late Helladic IIIC through Late Geometric Kalapodi, in: S. Verdan, T. Theurillat, A. Kenzelmann Pfyffer (Hrsg.) Early Iron Age Pottery. A Quantitative Approach. Proceedings of the International Round Table organized by the Swiss School of Archaeology in Greece, Athens 28–30.11.2008, BAR 2254 (Oxford 2011) 29–44
‑ W.-D. Niemeier, Zwei neue Siegel aus den bronzezeitlichen Schichten des Heiligtums von Abai (Kalapodi), in: W. Müller (Hrsg.), Die Bedeutung der minoischen und mykenischen Glyptik. VI. Internationales Siegel-Symposium aus Anlass des 50jährigen Bestehens des CMS Marburg, 9.–12.10.2008 (Mainz 2010) 277–285
‑ W.-D. Niemeier, The Olpe Chigi and New Evidence for Early Archaic Greek Wall-painting from the Oracle Sanctuary of Apollo at Abai (Kalapodi), in: E. Mugione (Hrsg.), L'Olpe Chigi: storia di un agalma, Atti del Convegno Salerno, 3-4 giugno 2010 (Paestum 2012) 79–86
‑ W.-D. Niemeier, Kultkontinuität von der Bronzezeit bis zur römischen Kaiserzeit im Orakel-Heiligtum des Apollon von Abai (Kalapodi), in: I. Gerlach – D. Raue (Hrsg.), Forschungscluster 4 Heiligtümer: Gestalt und Ritual, Kontinuität und Veränderung. Sanktuar und Ritual – Heilige Plätze im archäologischen Befund, Menschen – Kulturen – Traditionen, ForschungsCluster 4, Bd. 10 (Rahden/Westf.2013) 33–42
‑ W.-D. Niemeier, Ritual in the Mycenaean Sanctuary at Abai (Kalapodi), in: E. Alram-Stern – F. Blaklomer – S. Dager-Jalkotzy – R. Laffineur – K. Weilhartner, Metaphysis. Ritual, Myth and Symbolism in the Aegean Bronze Age. Proceedings of the 15th International Aegean Conference, Vienna, Institute for Oriental and European Archaeology, Aegean and Anatolia Department, Austrian Academy of Sciences and Institute of Classical Archaeology, University of Vienna 22-25 April 2014 (Leuven 2016) 303-310
‑ K. Sporn, Kalapodi. Neue Untersuchungen im Heiligtum 2014, AtheNea 2014, 56-59
‑ K. Sporn, Kalapodi. Die Arbeiten 2015, AtheNea 2016, 76–81

Contact Display

Kontakt

Katja Sporn
Erste Direktorin
Abteilung Athen
Fidiou 1
10678 Athen
 
+30-210 3307400

Organization Display

Organization Display

Organization Display

Ausführende Abteilung

Organization Display

Organization Display

Projektpartner