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Munigua
Munigua. Hispano-römisches Munizipium in Andalusien mit dem stadtbeherrschenden Terrassen-Heiligtum, Podiumstempel, weiteren kleineren Heiligtümern, einer doppelgeschossigen Halle, Forum, Thermenanlage, Stadtvillen, Mauerring und Nekropolen. Langzeitprojekt (seit 1956) der Abteilung Madrid des DAI. Forschungen zum Phänomen der römischen Städte auf der Iberischen Halbinsel sowie zu ihrer Wirtschaftsgrundlage (Bergbau, Steinbrüche, Landwirtschaft). Derzeit entsteht in einem eigenen Projekt eine 3D-Rekonstruktion der Stadt am Computer.

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Die hispano-römische Stadt Munigua (Prov. Sevilla)

In der Folge der römischen Eroberung der Pyrenäenhalbinsel, die im Jahre 19 v. Chr. endgültig abgeschlossen war, entsteht nicht nur in den westlichen Provinzen des Imperium Romanum eine bisher so nicht gekannte Form des Zusammenlebens: die Stadt, in der sich die Lebensäußerungen der Menschen in neuer Weise verdichten, in der sich eigene Lebensformen herausbilden (städtisches Leben), in der die Ausdifferenzierung der Lebens- und Arbeitsbereiche, ein Wesenszug der Romanisierung, stattfindet, ein Platz, an dem sich Öffentliches und Privates, Sakrales und Profanes bündelt. Rom wird in Hispanien über 400 Städte gründen. Die Beschreibung und Untersuchung des Phänomens ist von zentraler Bedeutung für das Verständnis der beträchtlichen Veränderung, die es bewirkte. Aus der Notwendigkeit sehr schnell viele Städte gründen zu müssen, resultiert die Anwendung des stadtplanerischen Konzepts der Regelstadt, nachdem die meisten Städte angelegt sind. Vor diesem Hintergrund erscheinen diejenigen römischen Städte besonders interessant, die davon abweichen.
Eine ganze Reihe von Besonderheiten zeichnen Munigua aus, unter denen die miniaturhafte Größe von 3,8 ha sowie das fehlende orthogonale Planungskonzept augenfällig sind. So klein aber die Stadt nun ist, so erstaunlich komplett und vielgestaltig sind seine öffentlichen Bauten. Da gibt es an Sakralanlagen neben dem imposanten Terrassenheiligtum auf der Spitze des Stadthügels, den Podiumtempel auf halber Höhe des Hügels, den Forumtempel, den Merkurtempel, das Heiligtum für Dis Pater im Forum sowie möglicherweise ein Nympäum in der Therme. An profanen öffentlichen Bauten ist das Forum zu nennen, die Doppelgeschossige Halle sowie die Therme. Von den Häusern sind inzwischen ein Dutzend bekannt, davon die Hälfte ausgegraben. Wie die genannten Bauten des römischen Munigua auch entstammen sie sämtlich einer Bauphase, die in der zweiten Hälfte des 1. Jhs. n. Chr., das heißt um das Jahr 70 n. Chr. herum, einsetzte und über eine Generation bis an den Beginn des 2. Jhs. n. Chr. fortdauerte. Zur Durchführung der Bauarbeiten wurde ältere Bausubstanz rigoros abgerissen und einplaniert, die Errichtung des römischen Munigua bedeutet also die völlige Neuanlage der Stadt. Das heißt, daß von dem älteren iberischen Munigua, das seit dem 4. Jh. v. Chr. auf dem Stadthügel durch Funde bekannt ist, kein einziges Gebäude erhalten wurde. Die Vorgehensweise ist üblich für die beschriebene Neugründung von denjenigen römischen Städten, die über Vorgängersiedlungen angelegt wurden.
In einigen Fällen leben die von den Römern gegründeten Städte bis heute fort (z. B. Sevilla/Hispalis, Córdoba/Colonia Patricia, Écija/Astigi). In anderen Fällen, so auch in Munigua, bedeutet die römische Phase die Blütezeit der Stadt. Am Ende dieser Periode beginnt der Niedergang, der schließlich zur Aufgabe der Siedlung führt. Diese relativ kurze Zeitspanne von etwa drei Jahrhunderten, die zu Beginn der Kaiserzeit schnell einsetzt und in spätrömischer Zeit langsam endet ohne eine Fortsetzung zu finden, scheint in Munigua eng mit der Wirtschaft verknüpft zu sein, welche die Grundlage des Lebens am Ort bildete.
Altertumsforscher der Abt. Madrid des DAI arbeiten seit 1956 kontinuierlich in Munigua. Das 2012 abgeschlossene Forschungsprogramm galt der Untersuchung der Wirtschaftsgrundlagen der Stadt. Wie sich zeigt, gründet die Wirtschaft in erster Linie auf den Metallvorkommen im Umland, vornehmlich Kupfer und Eisen, wie schon die ersten Forscher des 18. Jhs. aufgrund der Schlacken beobachtet hatten, die überall im Stadtgebiet zutage liegen. Die Ausbeutung der Bodenschätze in großem Stile hat offenbar sowohl den Beginn der Ansiedlung, deren Lebenszeit aber auch deren Ende markiert. Im Umland gibt es Halden von der Größe von Fußballfeldern. Das Erz wurde teils über Tag, teils unter Tage abgebaut, die Bergwerke mit ihren Schächten und Stollen sind erhalten. Nach heutigem Kenntnisstand war Munigua der größte Metallproduzent des unteren Guadalquivirtales. Daneben dürften die Kalksteinbrüche ein wichtiger Erwerbszweig gewesen sein sowie natürlich die Landwirtschaft, namentlich die Ölproduktion.
Derzeit widmet sich die Forschung der Herstellung eines dreidimensionalen Modells der gesamten Stadt und ihrer Gebäude, was eine entsprechende Forschung zum Inneren der Gebäude, zu den Bewegungen der Menschen in den Häusern, zur Funktionalität, Bewohnbarkeit und Benutzbarkeit bedeutet.

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