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Project Summary

Simitthus / Chimtou (Tunesien) (1 Teilprojekte)
Die antike Stadt Simitthus (heute Chimtou, Tunesien) wird seit 1965 gemeinsam von dem Institut National du Patrimoine (INP) und dem Deutschen Archäologischen Institut erforscht. Nachdem sich die Forschungsprojekte zunächst den antiken Steinbrüchen und dem dazugehörigen Lager widmeten, steht heute die Erforschung der städtischen Siedlungsgeschichte im Mittelpunkt der Arbeiten.

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Simitthus / Chimtou (Tunesien) - Deutsch-tunesische Forschungen in der numi

Seine Bekanntheit erlangte Simitthus/Chimtou vor allem durch den Abbau des gelben Marmors, des 'marmor numidicum' oder 'giallo antico', der zu den beliebtesten Marmorsorten des Römischen Reiches gehörte. Zu den prominentesten Beispielen der Verwendung von Marmor aus Chimtou zählen die Danaiden-Portikus des Apollotempels auf dem Palatin in Rom, deren Säulen aus gelbem Marmor bestanden, eine Ehrensäule, die Caesar auf dem Forum Romanum errichten ließ oder die Ausstattung des Pantheons in Rom.

Die antike Siedlung befindet sich ca. 180 km westlich von Tunis, am Ufer der Medjerda (antik Bagradas), des längsten, ganzjährig Wasser führenden Flusses Tunesiens. Der Marmorberg im Zentrum der ca. 60 ha großen archäologischen Stätte wird auf der nördlichen Seite durch das antike Steinbruchlager und auf der westlichen und südlichen Seite von der 'Colonia Iulia Augusta Numidica Simitthensium' umschlossen.

Die ältesten Siedlungsspuren stammen nach gegenwärtigem Kenntnisstand aus der vorrömischen Eisenzeit (5. Jh. v. Chr.), die jüngsten bis aus dem Mittelalter (9./10. Jh. n. Chr.).


Aktuelle Arbeiten

Die Arbeiten in Chimtou wurden 2009 wieder aufgenommen. Die Grabungskampagne 2009 konzentrierte sich auf die Sondagen der Jahre 1980-84 nördlich des Forums, die im Rahmen der Altgrabung noch nicht publiziert wurden, jedoch mittlerweile in einem ersten Vorbericht in der Kurzform vorliegen. Die Kernbereiche hierfür betrafen die systematische Aufarbeitung fehlender Befunde, die publikationsreife Aufnahme des Fundmaterials, die Erstellung eines GIS-gestützten Grabungsplans und einer absoluten Chronologie anhand stratigraphischer Nachuntersuchungen. Ein weiteres Teilprojekt betraf die trajanische Brücke über die Medjerda mit mindestens zwei späteren Umbauphasen.

An die Wiederaufnahme der Altgrabungen knüpften ab April 2010 das Projekt am sog. Kaiserkultbau von Simitthus an. Das Tempelareal im Norden von Chimtou kann mit fast 7.000 m² als eines der größten Nordafrikas gelten. Das kaiserzeitlicher Tempelareal, der byzantinische Kirchenkomplex und die mittelalterlichen Nutzungsphasen wurden durch stratigraphische Grabungen bestimmt. Daneben wurden die bestehenden Arbeiten am Forum mit neue Feldforschungen fortgeführt, die in Form von stratigraphischen Grabungen ausgeweitet und im Oktober 2013 mit einer letzten Kampagne abgeschlossen wurden. Hinzu kamen die Aufarbeitung und Publikation eines spätantiken Münzschatzes durch Dr. Hans-Roland Baldus (†) und Prof. Dr. Mustapha Khanoussi, die im Dezember 2014 im Rahmen der erstmaligen Ausstellung des Schatzes im Bardo-Museum zu Tunis vorgelegt werden soll.

Die Aufarbeitungs- und neuen Grabungsaktivitäten werden durch ein intensives Fundbearbeitungsprogramm begleitet, in dessen Zentrum die großen Mengen an Fundkeramik stehen und von Projekten zu den Metall- und Glasfunde sowie anderen Sonderfunden begleitet werden. Hinzu treten Studien zur Archäobotanik und Archäozoologie, die vom naturwissenschaftlichen Referat der Zentrale des DAI durchgeführt werden.
Die Aufarbeitung der umfangreichen Archivbestände der Grabung und ihre digitale Erschließung wird innerhalb eines größeren Projekts eines digitalen Nordafrika-Archivs in Zusammenarbeit mit der Arbeitsstelle für Digitale Archäologie (CoDArchLab) am Archäologischen Institut der Universität zu Köln angegangen.

Im November 2010 und Oktober 2012 sowie im Oktober 2013 wurden in Kooperation mit der Arbeitsgruppe 'Geophysikalische Prospektionen' des Archäologischen Instituts der Universität zu Köln großflächige geophysikalische Surveys in Chimtou durchgeführt. Prospektiert wurde die Umgebung des sogenannten Arbeitslagers sowie große Teile des Stadtgebiets. Zum Einsatz kamen Magnetometrie, elektrische Widerstandsmessung und Georadar, die hervorragende Ergebnisse erbrachten. Vor allem mit Hilfe der Magnetometrie konnten Straßen und Gebäudekomplexe detailliert erfasst werden, stellenweise bis hin zur Kenntnis einzelner Raumstrukturen, insbesondere im Gebiet des Tempelareals, in dessen unmittelbarer Nähe ein ausgedehnter Kirchenkomplex festgestellt werden konnte. Die geophysikalischen Daten werden integriert in eine seit Frühjahr 2014 am Architekturreferat der Zentrale des DAI in Arbeit befindliche neue, chronologische differenzierte digitale archäologische Karte Chimtous auf der Basis eines Geoinformationssystems (GIS).

Das komplett ausgegrabene, aber weitgehend undokumentierte Forum von Simitthus ist ebenfalls ab 2014 Teil eines neuen bauhistorischen und archäologischen Forschungsprojekts, das mit Ausbildungsmaßnahmen für junge in der Denkmalpflege tätige tunesische Archäologen verknüpft ist.

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Kontakt

Philipp Freiherr von Rummel
Generalsekretär
Zentrale
Podbielskiallee 69-71
14195 Berlin
Deutschland
 
+49 (0)30 187711-131

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