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Bericht der Römisch-Germanischen Kommission

Neue Forschungen zur Ur- und Frühgeschichte. Der Bericht der Römisch-Germanischen Kommission erscheint jährlich und enthält umfangreiche Beiträge zu neuen Forschungen und zusammenfassende Studien zur Ur- und Frühgeschichte sowie den Tätigkeitsbericht der Kommission.

Verlag

Verlag Philipp von Zabern GmbH
Hindenburgdamm 40
D-64295 Darmstadt
www.zabern.de

Verantwortliche Redaktion/Herausgeber

Römisch-Germanische Kommission
D. Wigg-Wolf

Richtlinien für Autoren

Beiträge für die Berichte der Römisch-Germansichen Kommission können in deutscher, englischer und französischer Sprache eingereicht werden. Nähere Informationen finden sie unter "Hinweise für Publikationen der Römisch-Germanischen Kommission" (PDF 104KB).

Veröffentlichungsgeschichte

Im Rahmen der Forschungen zum bronzezeitlichen Schlachtfeld im Tollensetal (Mecklenburg-Vorpommern, 13. Jh. v.u.Z.) wurden bislang Überreste von mehr als 130 jungen Männern entdeckt, die perimortale wie auch verheilte Verletzungen zeigen. Dazu kommen Waffenfunde der selben Zeitphase, hauptsächlich Pfeilspitzen aus Flint und Bronze sowie hölzerne Keulen. Das Fundmaterial stammt von diversen Fundplätzen entlang eines mehr als 2,5 km langen Flussabschnitts. Die Fundplätze Weltzin 13 und Kessin 12 markieren den Beginn dieser Ausdehnung am westlichen bzw. östlichen Flussufer mit dem Auftreten erster menschlicher Skelettreste des Schlachtfeldhorizonts, teils auch mit Verletzungen, sowie Waffenfunden.
Zugleich stellt dieser Talabschnitt aufgrund seiner topographischen Situation eine günstige Möglichkeit zur Querung des Flusstales dar. Fundmaterial vom Neolithikum bis zum Mittelalter aus diesem Bereich unterstreicht die Bedeutung dieses wohl über Jahrtausende zur Querung genutzten Flusstalabschnitts. Hölzerne Konstruktionselemente, die im Ostufer der Tollense entdeckt wurden, konnten dendrochronologisch dem 14.-12. Jh. v.u.Z. und damit auch dem Schlachtfeldhorizont zugewiesen werden. Andere Hölzer datieren ins 7. Jh. v.u.Z. bzw. ins 11. Jh. u.Z. und deuten Phasen wiederholter bzw. erneuter Nutzung an. Geophysikalische Untersuchungen wurden initiiert, um nach zugehörigen 45 Strukturen im Bereich der umliegenden Wiesen zu suchen. Am Fundplatz Kessin 12 in der östlichen Talaue wurde im geomagnetischen Bild eine lineare, über 100 m lange Struktur entdeckt. Während der Ausgrabungen stellte sich diese als dammartige Aufschüttung aus Sand und Rasensoden, teils über Holzlagen, heraus, die im nasseren Bereich der Wiese mit dichten Pfostenreihen, im trockneren Bereich dagegen mit Steinreihen stabilisiert
worden war. Nach den Datierungsergebnissen wurde diese Wegtrasse im 19. Jh. v.u.Z. errichtet. Direkt auf der Aufschüttung entdeckte Pferdereste konnten in Periode III der Nordischen Bronzezeit datiert werden und deuten zum einen an, dass die Trasse über Jahrhunderte benutzt wurde, zum anderen, dass sie auch im Rahmen des Schlachtfeldhorizonts eine Rolle gespielt haben könnte. Nach der aktuellen Hypothese dürften die Kampfhandlungen an der Querung begonnen und sich dann nach Norden verlagert haben.
 
Die Entdeckung der Wegtrasse im Tollensetal ermöglicht einen ersten Einblick in das frühbronzezeitliche Netzwerk von Landrouten im südlichen Ostseeraum. Die Trasse, die von mehr als nur lokaler Bedeutung gewesen sein muss, könnte auch erklären helfen, warum das Tollensetal um 1300 v.u.Z. zum Ort einer gewalttätigen Auseinandersetzung so großen Ausmaßes wurde.

Näheres zur Veröffentlichungsgeschichte der Berichte der Römisch-Germanischen Kommission in: 100 Jahre Römisch-Germanische Kommission. Ber. RGK 82 (2001) 364–372.

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