Philosophiegeschichtliche Beobachtungen zu den Ursprüngen der Afrikaforschung
Wenn man an die archäologische und historische Erforschung Afrikas denkt, denkt man wenig an Philosophie oder Theologie - dennoch lassen sich wichtige Wurzeln der Afrikaforschung verschiedenster Fachdisziplinen in der Philosophiegeschichte verorten, und noch früher in alten theologischen Fragestellungen. Afrikaforschung wurde seit der frühen Neuzeit wichtig, da in heute meist vergessenen theologischen Traditionen besonders altes, auf die ersten Propheten zurückgehendes Wissen in Afrika vermutet wurde. Aus solchen Fragen entstanden auch erste aus der biblischen Philologie und Archäologie stammende Unternehmungen, wie schon die gescheiterte dänische Afrika-Expedition Niebuhrs im 18. Jahrhundert und schließlich besonders die von Kaiser Wilhelm II. finanzierte archäologische Expedition in das sich biblisch verortende Aksum von 1906, einer der frühesten archäologischen Unternehmungen außerhalb Ägyptens. Über diese Afrikaforschung wurde vor allem ab dem 18. Jahrhundert eine Erforschung der afrikanischen Länder und Königreiche sehr wichtig. Dies schloss bald auch die kulturell und historisch für lokale Bevölkerungen bedeutenden Stätten ein, woraus unter anderem eine sehr reichhaltige Kartographie entstand, mit Verweisen auf alte Routen und immer wieder eingezeichneten Hinweisen auf antike Sites. Diese Entwicklung lief parallel zu einer gleichzeitigen rassentheoretischen Entwertung Afrikas, die Annahmen produzierte, die sich in ständigem Widerspruch zu laufenden Afrika-Forschungen befand, die diese wissenschaftshistorisch entstandenen Spannungen bis heute nicht vollständig überwunden haben.

