Göbekli Tepe – Kulturerhalt: Dauerhafter Schutz der Monumente. Maßnahmen der Sanierung, Konservierung und Restaurierung

Göbekli Tepe, Schutzdach über Hauptgrabungsgebiet 2022 © DAI-IST // Moritz Kinzel

Forschung

Die Stein-Lehm-Mauern der Bauten auf dem Göbekli Tepe sind durch Regen, Winderosion, Wurzelwuchs und Insektenbefall bedroht. Die Erhaltungsmaßnahmen dienen der Sicherung dieses einmaligen Platzes. Sie sind notwendig, um einerseits die notwendige wissenschaftliche Bearbeitung zu gewährleisten und andererseits die Möglichkeit zu eröffnen, in der strukturschwachen Region um Şanlıurfa ein nachhaltiges touristisches Konzept zu erarbeiten.

Errrichtung eines interaktiven Geoinformationssystems (GIS) aus dem sich mit Hilfe einer angeschlossenen Datenbank der Erhaltungszustand jeder architektonischen Struktur der archäologischen Stätte (Wände, Pfeiler, Fußböden, Installationen) ermitteln lässt.

Eine ausführliche Dokumentation der Ausgrabung inklusive steingerechter Planzeichnungen und Vertikalphotographien jedes Ausgrabungsareals sowie terrestrischer (Christofori & Partner) und Nahbereichslaserscans (FH Karlsruhe).

Aufrichtung der durch Hangdruck verlagerten Pfeiler mit Fußwinden und einem System von Ankerplatten und Gambionen.

Errichtung zweier Wetterstationen am Ruinenhügel zur Ermöglichung langfristiger Klimabeobachtungen. Die ermittelten Daten fließen in weitere Planungen von Schutzmaßnahmen ein.

Prüfung chemischer Zusätze an Testmauern auf Verwendbarkeit bei der Sanierung der Stein-Lehm-Mauer.

Erstellung eines konsistententen und verbindlichen Site Conservation Plans.

Überdachung des Hauptgrabungsgebiets und der Grabungsflächen am Nordwesthügel.

Helmuth Richter vom Römermuseum Weißenburg in Bayern führte erste restauratorische Maßnahmen an zerbrochenen Pfeilern durch. 1997 konnte das zerbrochene Oberteil des nördlichen Löwenpfeilers (Pfeiler II) wieder zusammengesetzt werden, eine Maßnahme, ohne welche die Grabung an dieser Stelle nicht hätte fortgesetzt werden können. An Pfeiler 11 und Pfeiler XXVII wurden Klebungen vorgenommen. Seit 1999 wurden von Dietmar Kurapkat (DAI) entworfene temporäre, für Besucher nicht zugängliche Schutzdächer über den wichtigsten Baubefunden errichtet. Im Jahr 2002 nahm Margret Struwe eine konservatorische Begutachtung der zu diesem Zeitpunkt seit meist mehr als fünf Jahren freigelegten und durch die temporären Dächer geschützten Befunde vor. Seit 2005 dokumentierten Tilman Müller und Kollegen von der FH Karlsruhe ausgewählte Architekturteile, 2009 richtete das Team des Architekten Eduard Knoll die Pfeiler 37 wieder auf, 2010 die Pfeiler 18 und 31. Im selben Jahr erstellten Richard Hermann und Wulf Bretschneider Gutachten zur Stabilität der Architekturbefunde. 2010 und 2012 fertigte die Firma Christofori & Partner eine Dokumentation der gesamten Befundlage am Südhang sowie der südwestlichen Hügelkuppe an, und im Jahr 2012 analysierte John Hurd, Senior Technical Advisor des Global Heritage Fund, zusammen mit einem Team der Harran Universität in Şanlıurfa den Lehmmörtel.

Die aktuellen Konservierungsmaßnahmen konzentrieren sich auf der Errichtung von Schutzdächern über den Hauptgrabungsgebieten am Südhang und in der nordwestlichen Senke des Göbekli Tepe, die für Besucher zugänglich sein sollen. Darüber hinaus wird eine vollständige Bestandsaufnahme der freigelegten Architekturbefunde und ihres Zustandes durchgeführt und in ein interaktives Geoinformationssystem (GIS) eingegeben. In einer Datenbank werden die Konservierungsarbeiten dokumentiert.

Seit 2011 entwickeln Mitarbeiter des Global Heritage Fund in Zusammenarbeit mit der BTU Cottbus und dem Ausgrabungsteam des DAI einen „Site Conservation Plan“ sowie einen „Site Management Plan“. Dank der Unterstützung von Friedrich Lüth, Sonderbeauftragter des DAI für den Kulturgüterschutz des DAI, wurde 2013 außerdem die Finanzierung umfassender Konservierungsmaßnahmen (insbesondere der Schutzdachbau) in die Planungen der EU-Strukturfördermaßnahmen für den Tourismus in der Region Şanlıurfa aufgenommen. 2013 konnte ein temporäres Schutzdach über dem Hauptgrabungsgebiet errichtet werden, ab 2015 wird mit der Errichtung eines dauerhaften Membranschutzdaches begonnen. Parallel dazu werden auch die neueren Ausgrabungsflächen am Nordwesthügel eine Überdachung erhalten.