Ressourcennutzung auf Rapa Nui (Osterinsel/Isla de Pascua), Chile

Seit 2008 finden am Fundort Ava Ranga Uka A Toroke Hau auf Rapa Nui archäologische und geoarchäologische Ausgrabungen statt. Die Ergebnisse zeigen eindrucksvoll die Resilienz der indigenen Rapanui in der Präkontakt-Zeit und die vielfältigen Formen der Adaption an die ökologischen Herausforderung auf der isoliertesten Insel der Welt. 

© DAI // Annette Kühlem

DAI Standort  Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen

Projektart  Einzelprojekt

Laufzeit  2007 - 2024

Disziplinen  Archäologie, Landschaftsarchäologie, Ethnoarchäologie

Projektverantwortlicher  Dr. phil. Annette Kühlem, Christian Reepmeyer

Adresse  Dürenstr. 35-37 , 53173 Bonn

Email  Annette.Kuehlem@dainst.de

Team  Burkhard Vogt, Dr. Johannes Moser, Dipl.-Ing. (FH) Christian Hartl-Reiter

Laufzeit  2007 - 2024

Projektart  Einzelprojekt

Cluster/Forschungsplan  KAAK - Zugang zu Ressourcen und deren Nutzung (Wirtschaftsarchäologie)

Fokus  Feldforschung, Kulturerhalt/Cultural Heritage, Regionalforschung, Thematische Forschung

Disziplin  Archäologie, Landschaftsarchäologie, Ethnoarchäologie

Partner  HafenCity Universität Hamburg - Universität für Baukunst und Metropolenentwicklung, Labor Geomatik, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel, Institut für Ökosystemforschung

Förderer  Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen

Projekt-ID  2576

Permalink  https://www.dainst.org/projekt/-/project-display/58612

Überblick

Vor über tausend Jahren besiedelten polynesische Seefahrer die Insel, die später als das UNESCO-Welterbe Rapa Nui weltbekannt wurde. Ein der größten Herausforderungen für die erfolgreiche Besiedlung der Insel war die extreme Knappheit von Süßwasser. Im Gegensatz zu den meisten vulkanischen Inseln Polynesiens gibt es auf Rapa Nui keine permanenten Flüsse oder Bäche. Dies machte zugängliches Trinkwasser zu einer wertvollen Ressource. Das gleiche gilt für die fruchtbaren Böden der Insel. Nachdem der ursprüngliche Palmenwald zum größten Teil den Anbauflächen für Feldfrüchte weichen musste, sahen sich die Rapanui mit starker Erosion und dem Verlust ihrer Böden konfrontiert. In der Konsequenz entwickelte sich ein aufwändiges System des Ressourcenmanagements mit technologischen, gesellschaftlichen und spirituellen Komponenten.

Während sich in der Vergangenheit die Forschungen auf Rapa Nui zum größten Teil auf die ikonischen Moai-Statuen und die Zeremonialplattformen konzentrierten, stehen bei den Ausgrabungen des DAI am Fundort Ava Ranga Uka A Toroke Hau die Adaption an die geografischen, klimatischen und ökologischen Herausforderungen der Insel im Fokus. Die interdisziplinären wissenschaftlichen Arbeiten erfolgen in Zusammenarbeit mit Rapanui Experten, der indigenen Regierung Ma'u Henua und der Universidad de Playa Ancha in Valparaiso, Chile.

Die Dokumentation der einzigartigen Befunde mittels modernster Technik leistet einen wichtigen Beitrag zum Kulturerhalt auf der Insel.

Projekt News & Blogbeiträge

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FILM

Premiere der Dokumentation „Easter Island Origins“ in den USA

27.02.2024 | Kommission für Archäologie Außereuropäischer Kulturen

Das Projekt "Ressourcennutzung auf Rapa Nui (Osterinsel, Chile)" war Teil der Dokumentation "Easter Island Origins", die am 7. Februar 2024 in den USA bei der populären Wissenschaftsreihe Nova erstausgestrahlt wurde.

Die Ausgrabungen am Fundort Ava Ranga Uka A Toroke Hau im Zentrum von Rapa Nui (Osterinsel, Chile)

Die Forschungen des DAI am Fundort Ava Ranga Uka A Toroke Hau (kurz ARUTH) im Zentrum der Osterinsel begannen im Jahr 2008 und umfassten nicht nur archäologische Ausgrabungen, sondern auch verwandte wissenschaftliche Disziplinen wie Geomorphologie, Paläobotanik, Klimahistorie und Geomatik. Besonders wichtig ist es, die Perspektiven der lokalen Experten in die wissenschaftlichen Arbeiten mit einzubeziehen. Lokale Mythen und Legenden und die Toponymie sind integrale Bestandteile unserer Arbeiten auf Rapa Nui. 

Der Fundort ist einzigartig in vielerlei Hinsicht. Er liegt in einer Weitung im Bachbett des einzigen saisonalen Baches der Insel. Teil der Installationen ist die Zeremonialpattform Ahu Hanuanua Mea (Regenbogen-Ahu) mit einem liegenden Moai. Es ist der am weitesten im Inland gelegenen Ahu der Insel. Der Name des Ahu veranschaulicht bereits eine besondere Bedeutung des Elements Wasser. Die Existenz einer Zeremonialplattform zeigt, dass Ort einst unter der Kontrolle der Eliten stand.

Die Architektur von ARUTH ist zum größten Teil hydraulischer Natur. Megalitische Wasserbecken wechseln sich ab mit steingefassten Kanälen und Aquädukten, die teilweise sogar unterirdisch verliefen. Massive Uferbefestigungen und weitläufige Pflasterflächen schützen vor Erosion, Kolluvien wurden gezielt als Basis für den Gartenbau genutzt, Steinmulchen schützen vor dem Verlust der Böden.

Opferdepots, Petroglyphen und der Ahu veranschaulichen die religiöse Komponente des Fundortes.

 

Rapa Nui. Luftaufnahme des Vaipú Baches in dem der Fundort Ava Ranga Uka A Toroke Hau liegt © DAI // Christian Hartl-Reiter
Rapa Nui. Ava Ranga Uka A Toroke Hau. Bachaufwärts fotographierte massive Mauern im Bachbett © DAI // Burkhard Vogt
Rapa Nui. Fundort Ava Ranga Uka A Toroke Hau. 3D-Aufnahme eines megalithischen Wasserbeckens © DAI // Christian Hartl-Reiter
Rapa Nui. Ava Ranga Uka A Toroke Hau. Fotomosaik des Grabungsareals mit den einzelnen Grabungsschnitten © DAI // Christian Hartl-Reiter
Rapa Nui. Ava Ranga Uka A Toroke Hau. Der Wasserfall nach heftigen Regenfällen © DAI // Annette Kühlem
Rapa Nui. Ava Ranga Uka A Toroke Hau. Fotomosaik der gepflasterten Fläche mit teilweise abgedecktem Kanal im Zentrum des Fundortes © DAI // Christian Hartl-Reiter
Rapa Nui. Ava Ranga Uka A Toroke Hau. Arbeiten zur Rekonstruktion der Terrassenmauer © DAI // Annette Kühlem
Rapa Nui. Ava Ranga Uka A Toroke Hau. Digitale Rekonstruktion der nachgewiesenen Jubaea-Palmen innerhalb der Pflasterfläche © DAI // Annette Kühlem, C. Schumann
Rapa Nui. Befragungen der lokalen Mitarbeiter zur Rapanui Linguistik © DAI // Annette Kühlem
Rapa Nui. Fundort Ava Ranga Uka A Toroke Hau. Rekonstruierte Terrasse © DAI // Burkhard Vogt