Nachlass Friedrich Rakob: Erschließung und Digitalisierung

Lambaesis (Algerien), Torbau der Principia, 1968. Nachlass F. Rakob. D-DAI-ROM-NA-RAK-21831. © DAI Rom // Friedrich Rakob

Forschung

Friedrich Rakob

Friedrich Rakob studierte von 1952 bis 1958 in München und Karlsruhe Architektur und Baugeschichte; während des Studiums führte er bereits gemeinsam mit Arnold Tschira und Walter-Herwig Schuchardt baugeschichtliche Untersuchungen in Italien durch. 1962 wurde er Referent für römische Bauforschung am Deutschen Archäologischen Institut in Rom und trat bereits ein Jahr später das DAI-Reisestipendium an. Promoviert wurde er 1967 mit dem Thema Die Piazza d'Oro in der Villa Hadriana bei Tivoli. Durch die Stipendiatenreise wurde wohl Rakobs Interesse für die Maghreb-Staaten geweckt, als ihn sein Weg unter anderem nach Libyen und Tunesien führte. Sein Forschungsschwer-punkt sollte sich nun von Italien nach Nordafrika, insbesondere in den nordtunesischen Raum, verlagern.

Friedrich Rakob fokussierte seine Forschungstätigkeiten als Referent für römische Bauforschung am Deutschen Archäologischen Institut in Rom ab Mitte der 1960er Jahre auf die baugeschichtliche Untersuchung nordafrikanischer Städte. Als Grabungsleiter führte ihn sein Weg nach Simitthus/Chimtou und Karthago. Das antike Simitthus war eine nordwesttunesische Stadt, die für die Gewinnung und Verarbeitung des Giallo antico bzw. Marmor numidicum bekannt war/ist und ab 1970 im Rahmen der Kooperation des DAI mit dem INAA (später INP) erforscht wurde. In Karthago wurden zwei Großgrabungen als Teil der internationalen UNESCO-Rettungsaktion zum Schutz der antiken Stadt durchgeführt: ab 1974 im Küstenareal nördlich des punischen Hafens (Quartier Magon) sowie ab 1984 an der Rue Ibn Chabaat (Quartier Didon), die nahezu parallel zum antiken Decumanus Maximus verläuft. Hier sollte insbesondere die Entwicklungsgeschichte der Stadt von der frühpunischen bis in die frühbyzantinische Zeit erfasst werden. Die umfangreichen Forschungsergebnisse wurden in den 1990er Jahren publiziert und die restaurierten Grabungsareale in Form von archäologischen Parks mit Museum/Antiquarien der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Er begann mit der Erforschung des Quellheiligtums am Djebel Zaghouan und setzte seine Forschungstätigkeit bei der Großgrabung in Chimtou/Simitthus ab 1968 in Zusammenarbeit mit dem Institut National d’Archéologie et d’Art (INAA) fort. Bereits 1965 wurden Vermessungen und im folgenden Jahr Prospektionen auf dem Djebel Chimtou durchgeführt. Dabei stand der Abbau sowie die Verarbeitung des Giallo Antico (und damit verbunden das das Arbeits- und Organisationslager) im Fokus. Das deutsch-tunesische Team um Azedine Beschaouch und Mustapha Khanoussi, beide langjährige Ko-Direktoren der Grabungen an der Seite von Friedrich Rakob, sowie Christoph B. Rüger, Jan-Martin Klessing, Ulrike Hess, Mercedes Vegas und andere Kollegen erforschte und dokumentierte die archäologische Stätte bis in die Mitte der 90er Jahre hinein; ab 1991 wurde das Marmormuseum in Chimtou/Simitthus geplant und umgesetzt sowie das Grabungsareal restauriert. Der erste der fünf Bände zu Chimtou/Simitthus, die ebenfalls in Kooperation von DAI und INAA/INP (Institut National du Patrimoine) entstanden, wurden unter der Herausgeberschaft von Rakob publiziert; der fünfte Band wurde zuletzt von Ulrike Hess 2017 veröffentlicht.

Ab 1974 übernahm Rakob parallel zu dem Projekt in Chimtou/Simitthus die Leitung der deutschen Großgrabung im Quartier Magon im Küstenbereich von Karthago, mit dem nahezu gleichen Team aus Chimtou/Simitthus. Bereits gegen Mitte des 19. bis zum Anfang des 20.Jhs. wurden erste Ausgrabungen und Forschungen (u.a. durch Charles Ernest Beulé, Alfred Louis Delattre und Paul Gauckler) in Karthago durchgeführt, jedoch erfolgten die systematisch geplanten Großgrabungen in Karthago erst im Zuge jener UNESCO-Rettungskampagne ‚Pour le sauvegarde de Carthage’ ab Mitte der 1970er Jahre. 12 Länder beteiligten sich an diesem Projekt. Das Quartier Magon wurde 1984 als Archäologischer Park mit Antiquarium feierlich eingeweiht. Im gleichen Jahr begannen die Sondagen an der Rue Ibn Chabâat, die ab 1988 zu einem Großprojekt zusammengeschlossen und im Jahr 2017 ebenfalls als archäologischer Park ähnlich dem Quartier Magon eröffnet wurden. Bei den Ausgrabungen, Untersuchungen und Restaurierungen wirkten zuletzt Ralf Bockmann, Jan-Martin Klessing, Stefan Fleig und Moncef Hamaida mit sowie Christof Flügel und Heimo Dolenz mit, die das wissenschaftliche Aufarbeitungsprojekt zwischen 2009 und 2012 leiteten und 2012 den vierten Band der Karthago-Reihe publizierten; ein fünfter Band ist in Planung.

Friedrich Rakob ist im Jahre 1996 in Pension gegangen, hat jedoch weiterhin seine Grabungsmaterialien aufgearbeitet und geordnet. 2007 ist er nahe seinem Heimatort Ennigloh in Münster verstorben.

Nach dem Tod Friedrich Rakobs im Jahre 2007 wurde sein Nachlass dem DAI Rom übergeben. Er beinhaltet Hinterlassenschaften jahrzehntelanger Forschungsarbeit, festgehalten in Grabungstagebüchern, Zeichnungen, Fotografien, Filmen und weiteren Dokumenten. Zunächst wurde der umfangreiche Bestand inventarisiert und anschließend die Handzeichnungen sowie die Grabungsaufnahmen (Dias und Negative) größtenteils digitalisiert (noch laufend). Ziel des Projektes ist es nun, innerhalb des geplanten und neu angelegten Nordafrika-Archivs die digitalisierten Aufnahmen zu systematisieren und zu kontextualisieren, um sie anschließend in die öffentlich zugängliche Objektdatenbank Arachne einzupflegen. Ist dieses Teilprojekt abgeschlossen, sollen alle Rakob-Digitalisate zu einem Großprojekt zusammengefügt und auch für NAHAN, eine internationale Plattform für Archivmaterialien aus dem nordafrikanischen Raum, zur Verfügung gestellt werden.

Das Archivmaterial aus dem Nachlass Friedrich Rakobs wurde zunächst 2015 systematisch inventarisiert und geordnet. Aufgrund der jahrzehntelangen Forschungsarbeiten von Rakob ist der Bestand an Fotografien, Zeichnungen, Grabungstagebüchern und anderen Materialien sehr umfangreich, wodurch die Inventarisierung sowie die Digitalisierung und Bearbeitung der Archivmaterialien, insbesondere der Fotomaterialien, seit 2015 schon viel Zeit beansprucht hat. Bisher wurden etwa 40.000 Negative und Dias digitalisiert, der gesamte Fotobestand wird auf über 60.000 Aufnahmen geschätzt.

Die Digitalisierung der Dias und Negative sowie deren inhaltliche Systematisierung und Erschließung ist das Hauptanliegen dieses Teilprojektes. Begonnen bei den Großgrabungen in Karthago und Chimtou werden die Aufnahmen in einer Baumstruktur nach bestimmten Kriterien (mindestens Ort, Grabung und Jahrgang) geordnet und die wichtigsten Informationen zu den jeweiligen Aufnahmen schriftlich festgehalten. Schlussendlich werden die Aufnahmen in ihrer neuen Struktur mit den Informationen zusammen in die Objektdatenbank Arachne (iDAI-objects) hochgeladen und mit weiteren Datenbanken der iDAI-Welt verknüpft, um sie für weitere Forschungen öffentlich zugänglich zu machen.

Nach dem Abschluss dieses Teilprojekts ist es geplant, alle Digitalisate und Datensätze, die aus dem Nachlass Rakobs stammen, zu einem Großprojekt zusammenzuführen. Das Nordafrika-Archiv soll ebenfalls um weitere Nachlässe erweitert und schließlich auch in die NAHAN-Datenbank (North African Heritage Archives Network) integriert werden. Diese Plattform wurde 2016 erstellt und wird ab dem Sommer 2018 öffentlich zugänglich sein. Sie soll zukünftig der Sammlung von Archivmaterial des nordafrikanischen Raumes aus den Archiven europäischer und nordafrikanischer Institutionen dienen.

Friedrich Rakob in Tunesien
Friedrich Rakob und Mitarbeiter in Chimtou, Tunesien. D-DAI-ROM-RAK-38626. © DAI Rom // Nachlass Rakob