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Netzwerke - Cluster 1

Cluster 1: Von der Sesshaftigkeit zur komplexen Gesellschaft: Siedlung, Wirtschaft, Umwelt, Kult

Im Kern des 2006 begonnenen Forschungsclusters stehen die Forschung und der Vergleich zentraler Fundorte, die ganz neue Einblicke in den Neolithisierungsprozess erlauben. Die Sesshaftwerdung ursprünglich wildbeuterisch lebender Gemeinschaften in Verbindung mit der Domestikation von Pflanzen und Tieren wird als einer der folgenreichsten Entwicklungsschritte der Menschheit auf dem Weg zur Entstehung komplexer Gesellschaften in einem vergleichenden Ansatz analysiert. Für das Cluster wurde 2012 eine Fortführung beschlossen, um noch ausstehende zentrale Fragen zu diskutieren.

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Cluster 1
Deutsches Archäologisches Institut
Podbielskiallee 69-71
14195 Berlin
 

Cluster 1 Konzept

Ergebnisse der ersten Forschungsphase 2006-2012

Die Arbeit im Cluster 1 machte die globale Relevanz des Phänomens deutlich. Die genauen Abläufe und gesellschaftlichen Mechanismen, die bestimmte Kulturentwicklungen in Abhängigkeit spezifischer ökologischer Situationen fördern, sind noch wenig erforscht. Dieses Thema steht seit einigen Jahren im Fokus neuer Feldforschungen im levantinischen Raum, der Arabischen Halbinsel, in Nordafrika, Ostasien und Amerika.

Zentrale beteiligte Projekte im Verlauf der Clusterarbeit waren: Göbekli Tepe (Türkei, Orient-Abteilung/Abteilung Istanbul), Shir (Westsyrien, Außenstelle Damaskus), Tell Hujayrat al-Ghuzlan (Südjordanien, Orient-Abteilung), Eh-Sayyeh (Nordjordanien, Außenstelle Damaskus/Forschungsstelle Amman), Nördliche Badia (Nordjordanien, Orient-Abteilung), Asağı Pınar (Türkisch-Thrakien, Zentrale), Neolithikum in der Ägäis (Griechenland, Eurasien-Abteilung), Aruchlo (Georgien, Eurasien-Abteilung), Okolište und Butmir (Bosnien-Herzegowina, RGK), Waldzone Nordosteuropas (RGK und nun Zentrale), SINCOS (Ostseeraum, RGK), Ambrona (Spanien, Abteilung Madrid), Marokkanisches Küstenneolithikum (Marokko, KAAK), Anden-Transekt (Südperu, KAAK), Montegrande (Südperu, KAAK), Llanos de Mojos (Bolivien, KAAK), Malaita (Salomonen, KAAK) und Minamikayabe (Hokkaido/Japan, Eurasien-Abteilung). Wesentlich waren zudem die Arbeiten der Archäozoologie und der Archäobotanik (Referat für Naturwissenschaften an der Zentrale), die der Entstehung und Entwicklung der Agrarwirtschaft in ausgewählten Natur- und Kulturräumen der Alten Welt gewidmet waren.
 
Zu Ergebnissen der Forschungsarbeit siehe hier

Cluster 1 - Fragestellung seit 2012

Fragestellung seit 2012

Sprecher: Markus Reindel (KAAK), Friedrich Lüth (Referat für Kulturgüterschutz), Judith Thomalsky (Außenstelle Teheran)

Die Sesshaftwerdung ursprünglich wildbeuterisch lebender Gemeinschaften in Verbindung mit der Domestikation von Pflanzen und Tieren markiert einen der folgenreichsten Entwicklungsschritte der Menschheit auf dem Weg zur Entstehung komplexer Gesellschaften. Verlauf und Intensität dieses Prozesses wurden oftmals von den naturräumlichen Rahmenbedingungen beeinflusst. Andererseits spielten Kulthandlungen als wichtiger Ausdruck menschlichen Zusammenlebens eine bedeutende Rolle bei der Ausformung früher Gesellschaften. Siedlung, Wirtschaft, Umwelt und Kult sind deshalb wesentliche Faktoren, die die Dynamik und die Richtung dieser Entwicklung bestimmten.

Älteste Formen permanenter Ansiedlungen und die Anfänge der Domestikation von Pflanzen und Tieren sind aus dem sog. Fruchtbaren Halbmond, der Kernlandschaft des Vorderen Orients, seit dem 10. Jahrtausend v. Chr. bekannt. Von dort breitete sich diese frühbäuerliche Lebens- und Wirtschaftsweise ab dem 7. Jahrtausend v. Chr. aus. Die Ursachen und Mechanismen dieser Ausbreitung werden seit Langem kontrovers diskutiert und es wurden verschiedene Modelle und Hypothesen entwickelt. Blickt man über den Vorderen Orient und Europa hinaus, dann lassen sich weitere Entstehungszentren von Elementen frühbäuerlichen Lebens und Wirtschaftens lokalisieren, so in Ostasien oder in Südamerika.

Das wesentliche Ziel von Cluster 1 ist es, das Umfeld und die Rahmenbedingungen der Sesshaftwerdung des Menschen in den unterschiedlichsten Natur- und Kulturräumen der Alten wie der Neuen Welt vergleichend zu untersuchen und die wesentlichen Schritte zur Ausbildung komplexer Lebensformen nachzuvollziehen.

Der Fokus der Betrachtung liegt dabei auf dem Entstehungsprozess permanenter Niederlassungen. Sind früheste Siedlungen lokalisiert, so lassen sich die für ihre Anlage ausschlaggebenden Faktoren, wie z. B. Nahrungsgrundlagen, Zugang zu Ressourcen, Standort- und Klimafaktoren, gezielt untersuchen. Es zeigt sich, dass die weltweit vergleichenden Forschungen auch die Diskussion zu den Anfängen des Neolithikums in Vorderasien und Alteuropa durch neue Betrachtungsansätze entscheidend beleben und zu einer kritischen Neubewertung bisheriger Modelle und Hypothesen beitragen können. Die kulturellen Phänomene werden entsprechend den thematischen Leitlinien des Clusters in ihre siedlungsarchäologischen, wirtschaftlichen, umweltbedingten oder religiösen Aspekte zerlegt und in thematischen Workshops diskutiert.

2013 wurde eine Tagung in Aqaba in Jordanien zum Thema "Frühe Siedlungsentwicklung in ariden Räumen/The development of early settlements in arid regions" durchgeführt.

2014 ist geplant: „Herausbildung, regionale Formen, klimatischer und gesellschaftlicher Kontext von mobiler Weidewirtschaft", in Peking/China.