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Netzwerke - Cluster 5

Cluster 5: Geschichte der Archäologie

Im Zentrum der Arbeit des Clusters stand zunächst "Die Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts im 20. Jahrhundert". Ausgangspunkt war eine klassischen Institutionengeschichte, die eng mit Erschließungsarbeiten in den Archiven des DAI verbunden war. Dieser Blick hat sich im Verlauf der Arbeit erweitert. Für das Cluster wurde 2012 daher eine Fortführung unter dem weiten Titel der "Geschichte der Archäologie" beschlossen, die wissenschaftsgeschichtliche Fragen der Archäologie und Altertumswissenschaften insgesamt in den Blick nimmt.

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Cluster 5
Deutsches Archäologisches Institut
Podbielskiallee 69-71
14195 Berlin
 

Cluster 5 - Konzept

Wichtige Ergebnisse der ersten Forschungsphase 2006-2012

Im Mittelpunkt der Forschungen des 2006 begründeten Clusters standen zunächst – ausgehend vom Interesse an der Aufarbeitung der Stellung des Instituts in der NS-Zeit und des Verhaltens seiner führenden Männer – die Geschichte des Deutschen Archäologischen Instituts im gesamten 20. Jahrhundert mit einem Schwerpunkt auf der NS-Zeit mit unterschiedlichen methodischen und inhaltlichen Zugriffen. Ziel war es darüber hinaus, die Erschließung, den Bestandserhalt und Maßnahmen der Digitalisierung der Archivalien des Institutes mit dem Aufbau einer einschlägigen Informationsstruktur zu verbinden. Die Arbeit des Clusters wurde 2012 weiter gefasst. Zu den bisherigen inhaltlichen Schwerpunkten – der Geschichte des DAI im 20. Jahrhundert bzw. einzelner Abteilungen des DAI (vor allem Berlin, Kairo, Rom und Madrid) sowie einzelner Vertreter der Altertumswissenschaften und der Archäologie im 20. Jahrhundert sind seit 2012 verschiedene Vorhaben zur Geschichte der Visualisierung von Forschungsobjekten in der Archäologie und des Site Managements sowie der Altertumswissenschaften und der Archäologie im Verlaufe des 19. Jahrhunderts hinzugekommen.

Zentrale mit der Arbeit des Clusters verbundene Projekte waren: G. Brands – M. Maischberger (Koordination), Lebensbilder. Klassische Archäologen und der Nationalsozialismus (Teil 1 publiziert); L. Errington, Edition des Briefwechsels von Otto Jahn und Adolf Michaelis 1848-1869 (im Druck); Dissertationsprojekt M. Vigener, Ein wichtiger kulturpolitischer Faktor: Das Deutsche Archäologische Institut zwischen Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit, 1918–1954 (publiziert); Dissertationsprojekt F. Jagust, Die Zentrale des Deutschen Archäologischen Instituts in Berlin. Entscheidungsprozesse und Finanzstrukturen von der Zwischen- zur Nachkriegszeit 1929–1979 (mehrere Vorberichte publiziert); Publikationsvorhaben Chr. Jansen, Archäologie und Politik. Das Deutsche Archäologische Institut zwischen Wissenschaft, Zeitgeist und auswärtiger Kulturpolitik 1900–1980 (mehrere Vorberichte publiziert); Geschichte der Madrider Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (Teil 1 publiziert); Geschichte der Abteilung Kairo: S. Voss, Die Geschichte der Abteilung Kairo des DAI im Spannungsfeld deutscher politischer Interessen. Band 1. 1881–1929 (Teil 1 publiziert); Projekte der Forschergruppe Fragments Ruins and Space im Rahmen des Berliner Exzellenzclusters TOPOI (seit 2012).

Zu den Ergebnissen der Forschungsarbeit siehe hier.

Fragestellung seit 2012

Sprecherin und Sprecher: O. Dally (Abteilung Rom) – Chr. Jansen (Universität Trier) –  M. Linder (Bibliotheksdirektorin, Zentrale)

Das Cluster will Einsichten in die Geschichte der Archäologie ermöglichen –  im Spannungsfeld zwischen gemeinsamer Tradition und unterschiedlichen Wissenschaftskulturen.

Die seit der Karolingerzeit und Renaissance immer wieder neu artikulierte und in Wellen erfolgte Rezeption und Renaissance der Antike kann als gesamteuropäisches Phänomen beschrieben werden. Sie ist allerdings keineswegs geradlinig und linear erfolgt, sondern unterschiedlich sowohl in inhaltlicher, geographischer als auch in zeitlicher Hinsicht aufgrund jeweils verschiedener kultureller und politischer Rahmenbedingungen. Diese generelle Beobachtung kann auch für die Altertumswissenschaften und die Archäologien getroffen werden, die im Verlaufe des 19. Jahrhunderts in einem rasch wachsenden Maße institutionell verankert wurden; hierfür ist die Gründung des 'Instituto di corrispondenza archeologica' 1829 ein besonders prägnantes Beispiel. Ihre Verankerung ist zwar Ergebnis eines verbindenden historischen Prozesses, gleichwohl ist ihre Entstehung von Anfang an aufgrund unterschiedlicher kultureller Traditionen mit der Ausprägung eigener Wissenschaftskulturen verbunden gewesen. In diesem Prozess der Ausdifferenzierung haben sowohl äußerliche politische Faktoren (wie die unterschiedliche Nationsbildung, die unterschiedlichen Ausprägungen des Kolonialismus und des Imperialismus sowie im 20. Jahrhundert die Weltkriege, Faschismus und Nationalsozialismus) als auch fachimmanente Prozesse wesentliche Rollen gespielt. Besonders im neu gegründeten Deutschen Reich, aber auch in den liberalen westlichen Nationalstaaten war dabei im so technik- und fortschrittsbegeisterten späten 19. Jahrhundert die Archäologie von oft unterschätzter, zentraler Bedeutung. So war das Archäologische Institut die erste aus dem Reichsetat finanzierte Forschungseinrichtung. Zwischen den europäischen Großmächten kam es zu einem wahren "scramble for antiquities".

Ziel des Clusters ist die Vernetzung von wissenschaftsgeschichtlich arbeitenden Forscherinnen  und Forschern innerhalb und außerhalb des DAI, um durch Austausch und theoretische Debatten das inhaltliche und methodische Niveau der entstehenden Untersuchungen zu heben. In allen Projektbereichen ergibt sich das Potenzial für Vergleiche, denen systematisch nachgegangen werden soll. Von besonderer Bedeutung sind dabei die Zusammenführung und der Vergleich der Projekte zur Geschichte der Archäologie an einzelnen Standorten des DAI im Sinne der Vernetzung der Diskussion, die das Cluster erfüllen soll. Dies kann auf dem Vergleich der Tätigkeit des DAI unter den Bedingungen der Gastländer sein oder auch ein Vergleich zwischen in einem Gastland handelnden Ländern bzw. der Archäologie einzelner Länder sein.