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Netzwerke - Cluster 7

Cluster 7: Lebensrealitäten in der Spätantike

Das DAI-Forschungscluster 7 "Lebensrealitäten in der Spätantike" hat 2013 seine Arbeit aufgenommen. Es geht von dem ungemein reichen, aber noch nicht hinreichend erschlossenen Bestand an archäologischen Funden und Befunden, epigraphischen, papyrologischen und literarischen Texten und Bildern aus, die Informationen zum "Alltagsleben" in der Spätantike (4.–6. Jh. n. Chr.) bieten. Da gerade auch Feldprojekte des DAI  immer wieder neue Daten und Kenntnisse zu diesem Themengebiet liefern, soll Cluster 7 dazu dienen, die DAI-Projekte, ihre Fragen und Ergebnisse mit anderen spätantiken Spezialgebieten zu vernetzen und gemeinsam neue Fragen und Erklärungen zu entwickeln.

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Kontakt

Rudolf Haensch
Kommission für Alte Geschichte und Epigraphik
Amalienstraße 73b
80799 München
 

Cluster 7 - Konzept

Fragestellung

Sprecher: Felix Arnold (DAI Kairo) – Philipp von Rummel (Zentrale)

Aus der sogenannten "Spätantike" ist ein ungemein reicher Bestand an archäologischen Funden und Befunden, Texten und Bildern auf uns gekommen. Obwohl die lange vernachlässigte Epoche in den letzten Jahren verstärkt Aufmerksamkeit erfahren hat, gilt diese vor allem den literarischen Quellen. Dokumentarische Quellen wie papyrologische oder epigraphische sind noch weithin unbearbeitet. Das Gleiche gilt für bestimmte Bereiche archäologischer Quellen abseits sogenannter "Kernthemen". Selbst die umfangreichste und am besten erforschte Quellengruppe der Spätantike, die ungeheuer zahlreichen theologischen Schriften, sind für Fragen der alltäglichen Lebensrealität alles andere als ausgeschöpft. Damit ist für alle Bereiche der alltäglichen Lebensrealität im Hinblick auf die Spätantike festzustellen, dass das, was für andere Perioden der Antike schon geleistet wurde, hier noch kaum erforscht ist. Dementsprechend fehlt es auch speziell an dem für die Erforschung anderer Epochen charakteristischen Dialog: Während sich Archäologinnen bzw. Archäologen und archäologisch arbeitende Naturwissenschaftlerinnen und -wissenschaftler vornehmlich mit den materiellen Überresten vergangenen Alltags beschäftigen, können Historikerinnen und Historiker der unterschiedlichen Fachgebiete zahlreiche Details zur Perzeption und Apperzeption dieser Alltagswelt beisteuern. In der Entwicklung gemeinsamer Fragestellungen und der Kommunikation zwischen den verschiedenen in der Spätantike arbeitenden Fachdisziplinen liegt eine große Chance, die das Projekt ergreifen will.

Die innerhalb einer einzigen Organisation unübertroffene Bandbreite der im DAI angesiedelten Projekte soll genutzt werden, um ausgewählte Fragen des spätantiken Alltags, ebenfalls in Verbindung mit universitären Forschungen, zu untersuchen. Auf diese Weise sollen sowohl relevante neue Forschungsergebnisse erarbeitet, als auch der interne Austausch des DAI auf ein international höchst aktuelles Forschungsfeld gerichtet werden. Aufgrund der dichten Quellengrundlage können dabei für die Spätantike Einblicke in Alltagsfragen gewonnen werden, die als Vergleichsbeispiel für andere Epochen von großem Interesse sein können.

Inhaltlich soll die Großepoche zwischen 240 und 640 in ihrem Eigenwert gewürdigt werden, nicht, wie bisher oft geschehen, zur Durchgangs- oder gar Niedergangsphase zwischen der Hohen Kaiserzeit und dem Mittelalter verkürzt werden. Zeitliche und regionale Unterschiede, langfristige Tendenzen wie auch kurzfristige Brüche sollen herausgearbeitet werden. Zentral fokussiert wird dabei auf die Lebensrealität der breiten Masse der Bevölkerung in den verschiedenen Teilen des sich auseinander entwickelnden Imperium Romanum.