Pergamon und seine Mikroregion

Pergamon-Bergama: Ansicht mit hellenistischem Stadtberg (links) und der osmanischen Altstadt (rechts), die die römische Unterstadt überbaut hat. Im Vordergrund das Amphitheater. © DAI-IST // Ihsan Yeneroğlu

Kulturerhalt

Die Pergamongrabung des DAI engagiert sich in den Bereichen Baudenkmalpflege, Erschließung und Präsentation sowie Ausbildung an der UNESCO-Welterbestätte Pergamon-Bergama. Zu den Grundprinzipien dieses Engagements zählt zum einen die Verbindung von Forschung und Kulturerhalt, d. h. alle Maßnahmen erfolgen auf Basis wissenschaftlicher Erkenntnis und aktueller Forschungsergebnisse. Zum anderen der starke Ortsbezug der Maßnahmen, d. h. der Einsatz lokaler Arbeitskräfte und lokaler Werkstoffe. Und schließlich der behutsame Einsatz von Teilrekonstruktionen, die anschauliche Glanzlichter im Ruinengelände setzen sollen ohne dessen Eindruck durch Vollrekonstruktionen zu verfremden. Alle drei Prinzipien lassen sich bis ins frühe 20. Jahrhundert zurückverfolgen, als das DAI die Trägerschaft des Grabungsplatzes übernommen hatte. In dieser Tradition haben Generationen von Bauforschern und Denkmalpflegern die Signatur Pergamons weiter geprägt und zugleich das einheitliche Erscheinungsbild bewahrt. Bis heute wird an diesen Prinzipien, die im Laufe der Zeit weiterentwickelt und um moderne Instrumente der strategischen Planung und des Monitorings bereichert wurden, festgehalten.

Die Baudenkmalpflege umfasst Projekte von hoher Anschaulichkeit wie die Rekonstruktion in der Roten Halle oder in der Palästra des Große Gymnasions ebenso wie weniger sichtbare Sicherungsarbeiten an akut bedrohten Abschnitten des Ruinengeländes. Dessen Erschließung dienen die Anlage von Besucherwegen und Aussichtsplattformen wie z. B. an der Ostseite des Großen Gymnasions oder auch die Nutzung analoger und digitaler Medien für die Besucherführung (Bergama Touristic Map). Die Pergamongrabung nutzt die Projekte der Baudenkmalpflege auch für die Ausbildung von Handwerker-Nachwuchs. Im Sinne eines breit aufgestellten Capacity Building wird dabei auch das dem Grabungshaus benachbarte Stadtviertel und dessen Bevölkerung mit einbezogen. Um die infrastrukturellen Voraussetzungen für die Ausbildung zu verbessern, wurde 2022 eine Steinmetzwerkstatt eingerichtet.    

Blick von der Roten Halle (2. Jh. n. Chr.) auf die Altstadt von Bergama (19.-20. Jh.) am Fuße des Antiken Stadtberges. © DAI-IST // unbekannt
Restaurierung der Ostmauer des Gymnasions von Pergamon durch lokale Arbeitskräfte (2013). © DAI-IST // Seçil Tezer Altay
Elaia: Ansicht der Seeseite mit dem geschlossenen Hafen (2018). © DAI-IST // Bernhard Ludwig
Archäologische Ausgrabungen im Amphitheater von Pergamon (2019). © DAI-IST // Felix Pirson
Teilrekonstruktion eines Stützpfeilers in Gestalt der Göttin Sachmet und der umgebenden Pflasterung aus Marmor in der Roten Halle (Heiligtum der ägyptischen Gottheiten) aus der römischen Kaiserzeit (2014). © DAI-IST // unbekannt
Besucherplattform auf einem umgestalteten Schuttberg der Altgrabung des frühen 20. Jahrhunderts (2022). © DAI-IST // Berslan Korkut
Epigraphik und Alte Geschichte: Anfertigung eines sog. Abklatsches einer kaiserzeitlichen Inschrift im Umland von Pergamon (2019). © DAI-IST // Felix Pirson
Physische Geographie: Geoarchäologische Bohrung in der Schwemmebene des Bakırçay. © Universität zu Köln // unbekannt