Detail Navigation

Cluster 3b - teaser

Cluster 3: Körper und Tod

Im Zentrum des Clusters steht der menschliche Körper als historische Quelle. Die beteiligten Forschungs- und Qualifikationsprojekte thematisieren die Geschichte des Umgangs mit dem Körper zu Lebzeiten und über den Tod hinaus. Der Fokus liegt nicht auf der Gräberarchäologie, vielmehr wollen wir die sich stetig vergrößernde Zahl der Quellen und der Fragestellungen nutzbar machen, vor dem Hintergrund der dynamischen Entwicklung von naturwissenschaftlichen Verfahren und neuen sozialgeschichtlichen Ansätzen. Terminologische und methodische Fragen werden diskutiert und gemeinsame methodische Standards gesucht.

Contact Display

Kontakt

Cluster 3: Körper und Tod
Podbielskiallee 69-71
14195 Berlin
 

Scroll View Portlet

Cluster 3b - Konzept

Konzept

Reste menschlicher Körper (meist Knochen) und Spuren des Umgangs mit Körpern sind ein wichtiger Bestandteil unserer Forschungen – in allen Häusern des DAI, in allen beforschten Kulturkreisen und über alle Zeithorizonte hinweg. Meist werden sie im Rahmen von separaten, nicht miteinander verknüpften Projekten untersucht, auch wenn sie vergleichbare Fragestellungen verfolgen und ähnliche Methoden anwenden. Etliche dieser Projekte verbinden nicht nur eine Vielfalt an natur-, geistes- und sozialwissenschaftlichen Ansätzen, sondern bringen auch Wissenschaftler*innen des DAI mit solchen anderer Forschungsinstitute zusammen. Dieses enorme Potential an gemeinsamer Auseinandersetzung zu bündeln und, wo es sinnvoll ist, für alle gewinnbringend zu vertiefen, ist das zentrale Anliegen von Cluster 3 „Körper und Tod“.

Vom Umgang mit dem Körper

Dabei fokussiert das Cluster auf den menschlichen Körper als historische Quelle und Forschungen zu menschlichen Überresten aus archäologischen Kontexten. Verbindendes Thema ist die Geschichte des Umgangs mit dem menschlichen Körper zu Lebzeiten und insbesondere am Ende des Lebens und über den Tod hinaus, in ganz unterschiedlichen historischen und räumlichen Kontexten. In einem ersten Schritt geht es uns um eine thematische und methodische Standortbestimmung: Wir wollen die traditionelle Gräberarchäologie verlassen und die sehr dynamische Entwicklung von naturwissenschaftlichen Analyseverfahren mit neuen, sozialgeschichtlich inspirierten Fragestellungen zur Rolle und Geschichte des Körpers verbinden und somit jedes der beteiligten Projekte profilieren und weiterentwickeln. Darüber hinaus werden terminologische und methodische Fragen diskutiert und gemeinsame zeitgemäße methodische Standards der Forschungen und ihrer Publikation gesucht. Dabei sind auch externe Gäste mit ihren Forschungen im Cluster 3 „Körper und Tod“ herzlich willkommen.

Ein Ziel ist es, die sich stetig vergrößernde Zahl der genutzten Quellen, der Fragestellungen, der Zugänge und der Ansätze für die DAI-Forschungen nutzbar machen. So gibt es z. B. kulturwissenschaftlich orientierte Ansätze wie die Thanatoarchäologie und interdisziplinäre Ansätze wie die Osteobiographie, die Fragen stellen nach dem Umgang mit dem Tod und totem Körper; nach den vielschichtigen Bedeutungen des menschlichen Körpers zu Lebzeiten und nach Eintritt des biologischen Todes; nach Präsenz und Absenz der Toten in den Gemeinschaften; oder nach Ursachen für Funde von Skeletten, Teilskeletten und einzelnen Menschenknochen außerhalb von Gräbern u.v.m. An der Umsetzung und der Weiterentwicklung solcher Ansätze werden wir mit Forschenden aus den Archäologien, der Anthropologie und Bioarchäologie inner- wie außerhalb des DAI arbeiten.

Praktiken

Hierzu wollen wir auch diskutieren, wie wir Gräber und Körper nicht als statische Gebilde, sondern als Resultat einer Reihe von Handlungen über einen langen Zeitraum erfassen und diese Handlungen von taphonomischen Prozessen unterscheiden können. Sowohl die menschlichen Körper als auch die Grabarchitektur einschließlich eventueller Grabmarkierungen können Auswirkungen auf die Handlungen und Praktiken späterer Generationen haben. Im Cluster „Körper und Tod“ werden deshalb Gräber und Körper als dynamische und durch Praktiken entstandene Befunde und Funde verstanden.

Mit dem Verständnis für die Dynamik und dem Fokus auf Praktiken blicken wir verstärkt auch auf diverse funerale und post-funerale Manipulationen an den bestatteten Körpern und Grabbauten. Oft finden sich etwa Spuren von nachträglichen Graböffnungen, Manipulationen an den Körpern oder Skeletten, Niederlegungen von Objekten oder anderen post-funeralen Handlungen. Da solche Manipulationen nicht unmittelbar erklärt werden können und jede Aussage hierzu interpretativ ist, soll das Cluster ein Forum sein, um traditionelle und neue Interpretationsansätze zu diskutieren – und das jeweils eigene Repertoire an Fragen, Methoden und Konzepten zu erweitern.

Medien

Darüber hinaus soll auch die Untersuchung von Medien der Repräsentation und Idealisierung von Körpern im Bestattungskontext zum wechselseitigen Verständnis beitragen. „Körper und Tod“ bilden so ein Querschnittsthema für alle Forschungsfragen, die sich mit körperbezogenen Praktiken beschäftigen; die Quellen erschließen, anhand derer der Umgang mit dem lebenden wie dem toten Körper rekonstruiert und interpretiert werden kann; und die auch Quellen hinzuziehen wie verschiedene Darstellungen, Repräsentationen und Medien, die von den untersuchten Gemeinschaften genutzt wurden – Quellen, die uns vielleicht erlauben zu verstehen, wie diese Gemeinschaften den menschlichen Körper sahen, welches Idealbild sie von diesem in verschiedenen Kontexten hatten.

Arbeitsbereiche

Wir wollen uns zunächst mit Konzepten beschäftigen, mit denen menschliche Überreste und Darstellungen von Körpern in ihren jeweiligen Grabkontexten oder anderen, Nicht-Grab-Kontexten erfasst und interpretiert werden können; sodann sollen die verschiedenen Medien der Repräsentation und Transformation von Körpern und von Tod und ihre soziokulturelle Bedeutung in den Mittelpunkt rücken; und schließlich möchten wir die Praktiken im Umgang mit Körper und Tod fokussieren.

Inhaltliche Verbindungen bestehen zu den Clustern 4 „Religion, Gesellschaft, Individuum“ und 7 „Shaping Spaces – Shaping societies“, denn auch für diese sind die Wechselwirkungen von Praktiken, Räumen und Körpern zentral. Den archäologischen Fächern kommt in der Erforschung dieser komplexen Zusammenhänge eine spezifische Rolle zu: Als materialbasierte Wissenschaft geht es ihnen um Manifestationen von Praktiken an Orten, in (rituellen) Praktiken, in Bildern und in und durch Körper.