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Netzwerke - Cluster 3

Cluster 3: Politische Räume - Orte der Herrschaft

Das Forschungscluster "Politische Räume" konzentrierte sich in großer zeitlicher und räumlicher Breite von 2006 bis 2012 auf vier Schwerpunktthemen: "Erschließung und Nutzung politischer Räume", "Grenzen politischer Räume", "Urbane Räume" und "Orte der Herrschaft". 2012 wurde anlässlich der internen Evaluation der Cluster im DAI von den Angehörigen des Clusters beschlossen, das besonders ertragreiche vierte Forschungsfeld "Orte der Herrschaft" in einem neuen Cluster mit geschärftem Profil weiterzuführen und zum Schwerpunkt des Clusterthemas zu machen.

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Kontakt

Cluster 3
Deutsches Archäologisches Institut
Podbielskiallee 69-71
14195 Berlin
 

Cluster 3 - Konzept

Wichtige Ergebnisse der ersten Forschungsphase 2006-2012

In den letzten Jahren hat die als spatial turn bezeichnete Neuorientierung in den Kultur- und Sozialwissenschaften einerseits den Raum wieder verstärkt als kulturelle Größe in den Fokus gerückt und operiert andererseits zumeist mit einem spezifischen Verständnis des Raums, das als soziales Konstrukt in rekursivem Verhältnis zum gesellschaftlichen Handeln steht. Diese Neuorientierung hat in breitem Umfang die deutschen Altertumswissenschaften erreicht. Nach einzelnen frühen Ansätzen wie zum Beispiel dem 2005 in Heidelberg abgehaltenen internationalen Symposium "Konstruktion der Macht" sind für diesen inhaltlichen wie konzeptionellen Trend vor allem drei größere Forschungsverbünde maßgeblich. Als erster von ihnen nahm das Forschungscluster 3 des DAI "Politische Räume" Ende 2006 seine Arbeit auf, kurz danach das Berliner Exzellenzcluster "Topoi" und die Kieler Graduiertenschule "Human development in landscapes". Das Forschungscluster führte eine große Zahl von Projekten des DAI zusammen, die von der Prähistorie bis in die Spätantike reichten und sich auf vier Schwerpunktthemen konzentrierten:

  • Erschließung und Nutzung politischer Räume
  • Grenzen politischer Räume
  • Urbane Räume
  • Orte der Herrschaft

Zu den Ergebnissen der Forschungsarbeit siehe hier.

Fragestellung seit 2012

Sprecherin und Sprecher: Alexandra W. Busch (Abteilung Rom, seit Mai 2014 Römisch-Germanisches Zentralmuseum Mainz) - Ulrich Thaler (Abteilung Athen)

Das Interesse an sozialgeschichtlichen Fragestellungen und die im letzten Jahrzehnt in den deutschen Altertumswissenschaften erfolgte Rezeption des spatial turn führten zu einer partiellen Schwerpunktverlagerung der archäologischen und althistorischen Forschung. Die Aufmerksamkeit verlagerte sich weg von den exzeptionellen Stätten hin zu vermeintlich alltäglicheren Kontexten, quasi vom Palast zur Hütte. Das seit 2006 (zunächst als Forschungsfeld) bestehende Cluster "Orte der Herrschaft" zieht bewusst eine andere Folgerung aus denselben theoretischen Prämissen: Denn wenn im Sinne des spatial turn sozialer Raum und soziale Struktur in einem rekursiven Verhältnis stehen und somit gleichermaßen als Produkt wie Vorbedingung des jeweiligen Gegenparts zu sehen sind, so ist auch der exzeptionelle Ort wie etwa ein "Ort der Herrschaft" als Interaktionsrahmen und Produkt der kontinuierlichen Neuverhandlung sozialer Realität zu verstehen. Damit bleibt er nicht nur ein weiterhin legitimer Gegenstand sozialgeschichtlich interessierter Altertumsforschung, sondern verdient unverändert das besondere Interesse einer Feld- und allgemeiner quellenorientierten Forschung, die sich bewusst mit reflektierten interpretativen Perspektiven verschränkt.

Die Orientierung am Konzept des Raumes als sozialem Konstrukt wirkte und wirkt bei der Untersuchung der Herrschaftsorte zunächst als effektives Korrektiv. So werden diese weder auf die architektonische Form anstelle der durch diese und durch Handlungen gleichermaßen konstruierten räumlichen Struktur reduziert, noch die Perspektive zulasten der Orte vermeintlich 'zweiter Ordnung' verengt: Als Untersuchungsgegenstand verstehen wir, wie in einem ersten Sammelband formuliert, alle Orte und Räume, "welche[r] sich überlokale Herrschaftsorganisationen – seien es einzelne, Gruppen oder Repräsentanten der Gesamtheit – zur Ausübung ihrer Macht bedienten" (Arnold  u. a. 2012, 1). Das Forschungscluster "Orte der Herrschaft" basiert als unmittelbare Fortsetzung des gleichnamigen Forschungsfeldes auf demselben Raumverständnis. Während in der bisherigen Arbeit des Forschungsfeldes das Konzept des Raums als sozialem Konstrukt insbesondere die Herangehensweise an die Fragestellungen bestimmte, soll nun das Raumkonzept als solches stärker die Fragestellungen der zwischen 2013 und 2015 geplanten Arbeitstreffen mitprägen. Die Themen der Arbeitstreffen orientieren sich an der doppelten Begriffstrias Konstruktion – Rekonstruktion – Dekonstruktion einer- und räumliche Praxis – Repräsentation des Raums – Räume der Repräsentation andererseits; das bewusste Aufgreifen von Begrifflichkeiten Henri Lefebvres zeigt die Zielsetzung an, neben der konkreten materiell-dinglichen Gegenstände der von Cluster-Mitgliedern verfolgten Feld- und Forschungsprojekten bewusst auch konzeptionelle Grundlagen – wie im Falle Lefebvres als oft zitierter, aber selten eingehend rezipierter 'Gründerfigur' des spatial turn – zum Gegenstand der Auseinandersetzung mit den Herrschaftsorten gemacht werden.