Überblick
Trotz seiner herausragenden Lage, ist bislang wenig über die Archäologie Eswatinis, des vorherigen Swasiland, bekannt. Seit den 1980er Jahren sind archäologische Aktivitäten nahezu zum Erliegen gekommen. Seit 2016 bemüht sich das DAI daher mit nationalen und internationalen Partnern Kapazitäten aufzubauen und Forschungsprojekte zu entwickeln. Hierzu gehört u.a. der Aufbau eines nationalen Denkmalsregisters in Zusammenarbeit mit der Eswatini National Trust Commission (ENTC). Es wurde ein Informationssystem (GIS) angelegt in dem bislang sind 280 Stätten dokumentiert sind, die von der Altsteinzeit bis zu heutiger Bauerngemeinschaften reichen.
Ein weiterer Schwerpunkt ist Aufbau, Ausstattung und Pflege der archäologischen Sammlung im Nationalmuseum. Der Großteil der Funde wurde in den 1970er und 80er Jahren geborgen, als die Swaziland Archaeological Research Association (SARA) aktiv war. Alle Artefakte wurden neu verpackt, neu beschriftet und gezählt, um ein vollständiges digitales Inventar zu erstellen und schließlich in einem neuen Lagerraum untergebracht, der für künftige Forschungen leicht zugänglich ist.
Auf der Datenbasis wurden verschiedene Forschungsprojekte wie beispielsweise die Erforschung der Ngwenya Mine oder des Felsdachs von Muti Muti entwickelt, Drittmittel eingeworben und mit Feldarbeiten begonnen. In allen Aktivitäten sind Studierende der University of Eswatini (UNESWA) und Mitglieder der Zivilgesellschaft im Rahmen der wieder gegründeten SARA eingebunden.
Grabungsprojekte
Im Jahr 2024 führte ein internationales Team des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI), des Senckenberg Centre for Human Evolution and Paleoenvironment (Universität Tübingen) und der Eswatini National Trust Commission (ENTC) umfangreiche archäologische Ausgrabungen in Eswatini durch. Ein Schwerpunkt lag auf der Fundstelle Muti Muti in den Lubombo-Bergen nahe der Grenze zu Mosambik, wo die Grabungsarbeiten am Muti-Muti-Shelter erfolgreich abgeschlossen wurden. Die vollständige Abtiefung der Grabungsfläche erbrachte über 2.000 Einzelfunde, darunter Steinartefakte des Middle und Later Stone Age sowie wenige Keramikreste aus Early Farming Communities. Das Fundmaterial wurde während der Kampagne vollständig bearbeitet und anschließend im Depot des National Museum of Eswatini gesichert.
Ergänzend wurden auf Grundlage eines Helikoptersurveys zahlreiche potenzielle Fundstellen entlang der Lubombo-Schichtstufe prospektiert. In diesem Zusammenhang begannen erste Feldarbeiten an der Khabane Cave im Mlawula Nature Reserve, wo Testgrabungen das Vorhandensein erhaltener archäologischer Schichten bestätigten. Die Fundstelle wurde zuvor umfassend dreidimensional dokumentiert. Weitere Surveys im Grenzgebiet zu Mosambik dienten der Vorbereitung zukünftiger Ausgrabungen ab 2025.
