Leben im Schatten der Pyramiden: Siedlungen und Infrastruktur in Dahschur

Dahshur ist die älteste Großbaustelle Ägyptens. Zum Bau der Pyramiden gehörten z.B. verschiedene Arbeitersiedlungen und Werkstätten, zum Kultbetrieb Priesterhäuser, zur Versorgung und Verwaltung auch Hausanlagen der Elite. Erst das Zusammenspiel aller Komponenten ermöglichte die Anlage und das Fortbestehen der Residenznekropole.

Blick von Nordosten auf den nördlich des Taltempels gelegenen Garten und das Lehmziegelgebäude. Die Lehmziegelmauer rechts im Bild ist eine moderne Restaurierungs- und Schutzmauer. Links der steinerne Taltempel, im Hintergrund die Knickpyramide. © DAI Kairo // J. Pinke

DAI Standort  Abteilung Kairo

Laufzeit  seit 2024

Projektverantwortlicher  Dr. Clara Jeuthe

Adresse 

Email  Clara.Jeuthe@dainst.de

Laufzeit  seit 2024

Partner  Universität zu Köln

Förderer  Abteilung Kairo, Gerda Henkel Stiftung

Projekt-ID  5726

Überblick

In der Pilotphase des Forschungsprojektes werden verschiedene Siedlungen erforscht, die im Zusammenhang mit dem Pyramidenbau in der 4. Dynastie (um 2600 BCE) nahezu zeitgleich entstanden sind. Zum einen handelt es sich um die nördlich des Taltempels der Knickpyramide gelegene Siedlung DAM38. Die durch eine in 2013 durchgeführte geophysikalische Untersuchung entdeckte Siedlung erstreckt sich über eine Fläche von ca. 350 × 200 m. Bei ersten Grabungen wurden die Überreste zweier Häuser freigelegt, deren Wände und Decken teilweise bemalt waren. In einem der Räume wurden zudem drei Säulenbasen aus Kalkstein entdeckt, die einst Lotussäulen trugen. Beide Gebäude besitzen einen offenen Hof mit fünf bzw. sechs Speichern. Die Gebäude dürfen ihrer Dimensionen als auch Ausstattung nach durchaus als gehobene Wohnhäuser gedeutet werden und ähneln den residenzartigen Gebäuden aus jener Zeit. Sie sind so im Zusammenhang mit dem Bau der Pyramiden zu sehen, die örtliche Verknüpfung mit dem Taltempel deutet aber auch auf eine Einbindung in den königlichen Kult hin. Zum anderen begann in 2026, ermöglicht durch eine Projektfinanzierung der Gerda-Henkel-Stiftung, Untersuchungen im Bereich der Arbeiterbaracken der Roten Pyramide (DAM1). Die Grundrisse des Gebäudekomplexes wurden durch geomagnetische Untersuchungen 2015 erfasst. Die Ausgrabungen bieten nun Einblicke in die Funktion der Räume und damit in den Alltag und die Infrastruktur des Pyramidenbaus.

Steinkern einer vermutlich eozänen Flügelschnecke Einen kuriosen Fund stellt eine knapp 20 cm große, versteinerte Schnecke dar, die in Haus 2 entdeckt wurde. Bei diesem Steinkern aus dem Eozän handelt es sich um einen Vertreter der Flügelschnecke (strombidae) und es ist anzunehmen, dass dieses fossile Tier damals als ein sehr bedeutungsvolles Objekt verstanden wurde. © DAI Kairo // B. Ezzat
Hölzerner Schlägel Aufgrund der Lage Dahschurs am Wüstenrand haben sich in der Siedlung eine Reihe von Objekten aus Holz erhalten. Neben diesem Schlägel (ein keulenförmiger Holzhammer), kamen bspw. auch ein hölzernes Tablett und ein Meißel zutage. © DAI Kairo // B. Ezzat
Fußabdruck im Schlamm Dieser Fußabdruck kam, zusammen mit weiteren Fuß- und Händeabdrücken, circa 30 cm unter dem Fußboden eines Raumes in Haus 1 zutage. Die Abdrücke können als klarer Beleg dafür gesehen werden, dass hier bereits vor der Errichtung des Hauses gewisse Aktivitäten stattfanden. Vielleicht wurden hier die Lehmziegel produziert, die man für den Bau des südlich gelegenen Kultbezirkes mit Garten benötigte. © DAI Kairo // A. Eller
Blick auf die Silos und den offenen Hof in Haus 1 In Haus 1 wurden im nördlichen Areal ein offener Hof mit sechs Silos entdeckt. Sie haben einen Durchmesser von gut 2 Metern und wurden vor dem Verlassen des Hauses gelehrt. Im angrenzenden Hof fand vermutlich das Mahlen und die Verteilung des Getreides statt. Die Existenz der Silos darf wohl als Indiz für eine längere Nutzung des Gebäudes gedeutet werden – immerhin wurde hier eine Infrastrukturanlage geschaffen, die den Bewohnern des Hauses ihre eigene Lebensmittelproduktion ermöglichte. © DAI Kairo // J. Pinke
Reste dreier Kalksteinbasen für Lotussäulen. Diese drei Säulenbasen bestehen aus Kalkstein und sind von einer kreisförmigen Schicht aus einer Art Mörtel umkleidet. Nach den Eindrücken auf den Säulenbasen in Form eines dreiblättrigen Kleeblatts, trugen die Basen einst Lotussäulen. Die Säulen selbst bestanden wahrscheinlich aus Holz und haben sich nicht erhalten. Vermutlich wurden sie bei der Aufgabe des Hauses absichtlich entfernt, um andernorts wiederverwendet zu werden. © DAI Kairo // T. Lyons
Vorläufiger Plan von Haus 1 und dem westlichen Bereich von Haus 2, Wände mit Kalkputz rot markiert. Der Grundriss von Haus 1 ist nach zwei Grabungskampagnen mehr oder minder vollständig bekannt. Im westlichen Bereich ist ein fast als labyrinthartig zu bezeichnender Komplex erkennbar, der den Kern des Gebäudes darstellt und über einen mehrfach abgeknickten Korridor von Nordosten her zu erreichen war. Im östlichen Bereich scheinen sich offene Räumlichkeiten befunden zu haben, im Norden schließt sich ein offener Hof mit Speichern an. Von Haus 2 wurde bislang nur der westliche Bereich erschlossen, auch hier sind allerdings schon Räume, Korridore und Silos erkennbar. Die rot markierten Wände markieren die mit Kalkputz und Farbe versehenen Wandteile. © DAI Kairo // L. Rees, A. Grünberg, C. Breninek, D. Rosenow
Ergebnis der geomagnetischen Prospektion im Areal nördlich des Taltempels der Knickpyramide. Im Bereich des Gartens sind die Pflanzengruben als schwarze Punkte erkennbar. Nördlich davon erstrecken sich die ausgedehnten Siedlungsreste, in denen einzelne rechteckige und quadratische Parzellen sichtbar sind, die orthogonal angelegt wurden. © DAI Kairo